Juni 29 2015

Angorakatzen

Die Türkisch Angora  und die Türkisch Van hatte ich zum Thema Waldkatzen bzw. Herkunft des Langhaar-Gens bei den Naturrassen schon erwähnt. Nun möchte ich auf diese Katzen etwas ausführlicher eingehen. Es geht dabei weniger um gezüchtete Rassekatzen, sondern, ähnlich wie bei den Waldkatzen, um Ursprung und Verbreitung diverser Naturrassen (Angorakatzen).

Naturrassen

Der Begriff Naturrasse wird verwendet, wenn es sich um Katzen handelt, die optisch auffällig sind, z.B. Langhaarkatzen, Katzen mit ungewöhnlichen Fellfarben oder einer aussergewöhnlichen Fellstruktur. Es handelt sich um Katzen, die nicht durch menschliche Zucht entstanden sind, sogenannte Hauskatzen (Felis silverstris catus). Ihr aussergewöhnliches Aussehen verdanken sie oft Genmutationen oder es kam zu Verpaarungen mit „Hauskatzen mit Migrationshintergrund„, das sind Hauskatzen anderer Regionen, die von Seeleuten, Händlern oder Reisenden eingeführt wurden. Aus diesen aussergewöhnlichen Hauskatzen gingen später gezüchtete Rassekatzen hervor.

Angorakatzen

Der Begriff Angora wird heute mit aussergewöhnlichem Fell und demzufolge leider auch mit Tierquälerei für die Luxusindustrie in Verbindung gebracht.

Was die Bezeichnung Angorakatze betrifft, so herrscht ein grosses Durcheinander. Es wurden nicht nur die Exemplare der Türkisch Angora so bezeichnet, sondern irrtümlich alle Langhaarkatzen, Perserkatzen oder allgemein exotische Katzen mit besonderem Fell. Heute sind Forschung und Technik fortgeschritten, aber diverse Legenden und Irrtümer gibt es bis heute. Damals handelte es sich um Hauskatzen (siehe oben: Naturrassen), die Rassekatzenzucht begann viel später.

Angora ist der alte Name der Stadt Ankara, Hauptstadt der Türkei und der gleichnamigen Provinz Ankara. Sie liegt im zentralanatolischen Hochland.

Rassekatzenzucht

Im 18. Jahrhundert stieg die gesellschaftliche Anerkennung der Angorakatzen. In Adelshäusern und im Bürgertum wurden aussergewöhnliche Katzen als Salonkatzen gehalten. Die Zucht und Selektion besonderer Rassen begann. Harrison Weir veranstaltete die erste öffentliche Katzenausstellung 1871 im Londoner Crystal Palace. 1887 wurde der National Cat Club (NCC) als erster Katzenzüchterverband gegründet. Zu jeder Katzenrasse gibt es mindestens eine Legende, was ihren Ursprung betrifft. Inzwischen hat der Mensch, durch gezielte Zucht, Kreaturen geschaffen, die wegen ihres extremen Erscheinungsbildes und/oder durch genetisch bedingte Krankheiten ihr Leben lang leiden müssen. Viele wären unter natürlichen Bedingungen kaum lebensfähig.

 Türkisch Angora

Türkisch Angora
Türkisch Angora

Die Türkisch Angora zählt heute zu den Halblanghaar-Rassen und hat einen natürlichen Ursprung. Sie stammt, wie alle Hauskatzen, von der Afrikanischen Falbkatze (Felis silvestris lybica) ab. Ihr Fell entstand durch das mutierte Langhaargen. Ihre geographische Herkunft sind die Hochebenen Anatoliens.  Angepasst an die Witterungsbedingungen dieser Bergregion hat die Türkisch Angora ein üppiges Winterfell mit Halskrause und dichten Hosen. Ihr Sommerfell ist der heißen Jahreszeit angepasst, nur der buschige Schwanz zeigt dann, dass sie eine Halblanghaarkatze ist. So optimal ausgerüstet, überdauerte die Türkisch Angora mehrere Jahrhunderte in ihrer natürlichen Umgebung.

Seit dem 15. Jahrhundert war sie in Kleinasien bekannt. Das Osmanische Reich war ein Transitland, zahlreiche Handelsrouten von Europa nach China oder Indien verliefen durch dieses Gebiet, zu Land über Karawanenwege, zur See wurden die meisten Güter im- und exportiert. Seide und Gewürze waren die wichtigsten Fernhandelsgüter. Seide aus Persien war nicht nur bei den reichen Osmanen, sondern auch bei den wohlhabenden Europäern sehr begehrt. Sultane des Osmanischen Reiches sandten einige Exemplare der Türkisch Angora im 16. Jahrhundert als Geschenk an die Höfe von Frankreich und England. Pietro della Valle brachte im 17. Jhd. von seiner Reise in den Orient Exemplare nach Italien. Nicolas-Claude Fabri de Peiresc brachte Katzen aus der Türkei nach Frankreich. Auch mit italienischen Seefahrern gelangte sie nach Westeuropa, Genua dominierte lange Zeit den Handel in der Ägäis. Die weiße Langhaarkatze mit den geheimnisvollen Augen wurde als Geschenk an andere Fürsten weitergegeben. Im 18. Jahrhundert war sie Statussymbol an den europäischen Höfen. Doch dann tauchte die Perserkatze auf und die Türkisch Angora geriet in Vergessenheit. Der Bestand der Türkisch Angora war selbst in ihrem Ursprungsland gefährdet. Sie wäre fast ausgestorben, wäre sie nicht durch türkische Erhaltungszucht gerettet worden. Nur wenige Exemplare  wurden im Zoo von Ankara gehalten, um den Fortbestand dieser Rasse zu gewährleisten. 1917 begann man dort mit gezielten Zuchtprogrammen. Dabei konzentrierte man sich auf die weissen Katzen mit blauen, goldenen oder zweifarbigen Augen. Die Naturrasse verfügt über ein breites Spektrum von Farben und Mustern. Die Türkei ernannte sie sogar zur Nationalkatze. Dort gelten allein die weißen Katzen als edel. Einige Exemplare, die aus den Zuchtprogrammen türkischer Zoos stammten, wurden in den 1950er und 1960er Jahren in die USA exportiert. In den 1970er Jahren kamen dann auch Katzen aus den türkischen Zoos nach Deutschland. Erst dann begann die Zucht der Rasse TUA. Die Türkisch Angora ist genetisch mit der Vankatze (Türkisch Van) verwandt.

Türkisch Van

Tütkisch Van
Türkisch Van

Die Türkisch Van, auch Schwimmkatze, Türkische Katze oder Vankatze genannt, ist ebenfalls eine Hauskatze natürlichen Ursprungs. Sie ist mit der Türkisch Angora genetisch verwandt. Heute ist sie in ihrer Heimat sehr selten geworden. In der Türkei lebten 1992 nur noch 92 weiße Vankatzen. An der Yüzüncu-Yil-Universität in Van gibt es ein Forschungszentrum, das sich mit dieser Naturrasse befasst. Dort will man sie vor dem Aussterben bewahren und die genetischen Ursachen für die verschiedenfarbigen Augen ergründen. Eine Ausfuhr aus der Türkei steht unter Strafe kann mit bis zu 35.000 Euro geahndet werden.

Legenden

Im Gebirge Ararat soll nach der Sintflut die Arche Noah gestrandet sein. (Gen 8,4 EU).

  • Die Kurdische Katze: Als Noah mit seiner Arche am Berg Ararat strandete, liess er das Taubenpärchen fliegen um zu sehen, ob es schon trockene Stellengab. Dabei ist auch das Katzenpaar aus der Arche entwischt. In der Nähe des Garten Edens, so besagt die Legende, hätten sich die Katzen, die von der Arche Noah kamen, heimisch gefühlt und sich in der Umgebung von Van ausgebreitet.
  • Die Armenische Ringelschwanz Katze: Diese Legende besagt, die Katzen hätten, als Adam und Eva aus dem Paradies verjagt wurden, mit ihnen zusammen das Paradies verlassen und würden seit dieser Zeit am Vansee leben.
Katzen-Standbild auf dem Van-Katzen-Platz
Katzen-Standbild auf dem Van-Katzen-Platz

Sie stammt tatsächlich aus der Umgebung des Vansees, in Ostanatolien. Wahrscheinlich sind Hauskatzen über die  Seidenstraße, in die rauhe und abgeschiedene Region um den Vansee eingewandert. Die Stadt Van, am Ostufer des Vansee, nahe der iranisch-türkischen Grenze, ist die Hauptstadt der gleichnamigen türkischen Provinz. Unter dem Namen Tuschpa war Van seit dem 9. Jhd v. Chr. die Hauptstadt von Urartu.

Ihre Nahrung fanden die Katzen u.a. auch in den Süßwasserzuflüssen des Sees. Sie sind nicht wasserscheu und sogar gute Schwimmer, daher die Bezeichnung  Schwimmkatzen.

Aufgrund der klimatischen Bedingungen haben sie im Winter ein dichtes wärmendes Fell und im Sommer ein leichtes dünnes. Ihr Fell ist  halblang, seidig, ohne Unterwolle. Der Schwanz ist rund, sehr buschig,  sie besitzt eine deutliche Halskrause und ungewöhnlich langes Fell am Bauch. Charakteristisch ist die kastanienbraune Fellzeichnung. Diese Bicolorzeichnung (weisser Körper mit zwei getrennten kastanienroten Flächen im oberen Kopfbereich, nahe der Ohren, kastanienrot  gemusterter Schwanz) wird  Vanzeichnung genannt. Es gibt auch Vankatzen ohne Zeichnung, komplett weiß bis cremefarben.

Die aus einer unwirtlichen Gegend stammende Naturrasse ist sehr robust, temperamentvoll, aktiv und sehr intelligent. Sie lieben ihre Besitzer mit unwahrscheinlicher Hingabe.

1955 besuchten die beiden Britinnen Laura Lushington und Sonia Halliday die Türkei und namen mehrere Katzen mit nach Hause. Die Kätzchen mussten eine lange Autofahrt und Quarantänezeit über sich ergehen lassen, dann begann die Rassekatzenzucht in Grossbritannien, damals noch unter dem Namen Turkish Cats. 1982 wurden die ersten Rassekatzen in die USA gebracht

Perserkatze

blaue Perserkatze
blaue Perserkatze

Da es um Angorakatzen geht, möchte ich die Perserkatze in diesem Zusammenhang auch erwähnen, da sie teilweise auch als Angorakatze bezeichnet wird. Früher wurde angenommen, ihr Ursprung wäre ebenso in Kleinasien und sie wäre möglicherweise mit der Türkisch Angora verwandt. Der französische Naturforscher Comte de Buffon hielt im 18. Jahrhundert nicht nur Angora- und Perserkatzen für identisch, sondern auch Kartäuserkatzen zählte er zur selben Art. Paradis de Moncrif  scheint der erste gewesen zu sein, der die von Pietro della Valle mitgebrachten Exemplare Perserkatzen nannte. Charles Darwin schrieb von einer „Angora- oder Perserkatze“ von der der  deutsche Naturforscher Peter Simon Pallas annahm, sie würde vom Manul (Otocolobus manul), einer Kleinkatze Mittelasiens, abstammen. Der Manul wird auch Pallaskatze genannt. Diese Theorie wurde sehr lange vertreten, konnte jedoch durch Genstududien widerlegt werden. Ursprünglich wurde der Manul der Gattung Felis zugeordnet. Er ist aber näher mit den Altkatzen (Prionailurus) verwandt als mit den Altwelt-Wildkatzen (Felis) (siehe Evolution – Der Stammbaum der Katzenfamilie), deshalb wurde er als einzelne Art in die Gattung Otocolobus gestellt. Im Jahr 2014 wurde auf dem 10. Weltkongress für angewandte Genetik in der Nutztierproduktion (WCGALP) in Vancouver eine  wissenschaftliche Studie der University of Missouri vorgestellt. Dort heisst es, es gibt keine Verwandtschaft mit einer asiatischen Linie, sondern genetische Übereinstimmung mit der russischen langhaarigen Hauskatze (siehe Sibirische Katze). Die Zucht begann erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in England. Der Begriff Perser etablierte sich mit der Gründung erster Zuchtvereine.

Charly
Charly

Ihre Fellstruktur ist einzigartig, deswegen wird sie zur „Aufhübschung“ des Fells bei vielen Katzenrassen eingekreuzt. Mein Sternenkater Charly war ein Kartäuserkater, er hatte diese typische Perserkatzen-Fellstruktur, das war deutlich sicht- und fühlbar.

Kartäuserkatze

Wie oben bereits erwähnt, wurden die Kartäuserkatzen früher irrtümlich auch für Angorakatzen gehalten.

Quelle: Kartäuserkatze (Wikipedia)

Als Kartäuserkatze oder damals auch Karthäuser-Katze wurden etwa seit dem 18. Jahrhundert grau-blaue Langhaarkatzen bezeichnet, die wie die Malteserkatze den historischen langhaarigen Angorakatzen, nach BREHM Felis maniculata angorensis zugeordnet wurden, da sie eine Besonderheit unter den gewöhnlichen Katzen darstellten. Johann Matthäus Bechstein bezeichnet diese blaue langhaarige Katze als Felis catus, var. domesticus coeruleus und nimmt 1832 an, dass sie aus der Türkei stamme.

weiterführende Links

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Januar 16 2015

Abessinierkatzen

Abessinierkatze
Abessinierkater wildfarben (Gr. Int. Ch. Valentino Des Entrechats of Segenas)

Die Rasse

Abessinierkatzen werden aufgrund ihres Aussehens oft als Miniatur-Puma bezeichnet oder mit Wildkatzen verglichen. Es handelt sich um eine Kurzhaar-Rasse. Sie wird auch Abessinier oder Aby genannt und ist eine der ältesten gezüchteten Katzenrassen der Welt. 1871, bei der ersten Katzenausstellung im Crystal Palace in London, erhielt die Abessinierkatze Zula den dritten Preis. Der Begründer der Katzenzucht, der englische Künstler Harrison Weir, verfasste 1889 den Rassestandard. Typisches Rassemerkmal ist eine zwei-, manchmal auch dreifache Bänderung der Haare, das sogenannte Ticking. Diese Fellzeichnung wird als Agouti-Effekt bezeichnet. Sie ist vergleichbar mit der Fellzeichnung von Wildhasen und -kaninchen deshalb wurde die Abessinierkatze anfangs „bunny cat“ genannt. Es kam zu Kreuzungen mit britischen Kurzhaarkatzen, teils Hauskatzen, teils Rassekatzen, um der Inzucht entgegenzuwirken. Bei Katzen bedeutet Agouti neben wildfarben auch tabby, die klassische Fellzeichnung der Hauskatzen (umgangssprachlich: getigert). Nonagouty bedeutet, dass die erwachsene Katze einfarbig ist. Bei Jungtieren scheint das Tabbymuster noch als Geisterzeichnung durch. Die Langhaarvariante der Abessinierkatze heisst Somalikatze, genannt Somali. Diese wird erst seit 1967 gezüchtet. Die Abessinierkatze ist sehr temperamentvoll, intelligent, selbstbewusst, neugierig und eigenwillig, aber auch sehr anhänglich.

 Die Herkunft

Zula
Zula

Der Legende nach stammte Zula, die Katze von Frau Captain Barret-Lennard, aus Abessinien, dem heutigen Äthiopien. Katzen dieses Typs kamen 1868 aus Afrika nach England, als die britischen Truppen Abessinien verliessen und so erklärt sich der Name der Katzenrasse. Eine andere Legende stellt die Behauptung auf, dass Abessinierkatzen die Nachfahren der im pharaonischen Ägypten lebenden und dort als göttlich verehrten Katzen seien. Die Vorfahren der heutigen Abessinierkatze stammen, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, aus Südostasien. Das nur bei dieser Katzenrasse auftretende Abessinier-Tabby-Mutation-Gen (TA) findet sich bei Katzen an der Küste des Indischen Ozeans zwischen Singapur und Sri Lanka, während es in Ägypten und Ostafrika nicht nachweisbar ist. Der Abessinierkatze ähnelnde Wildkatzenarten sind die Falbkatze (Felis silvestris lybica) und die Rohrkatze (Felis chaus). Ein ausgestopftes Tier mit Merkmalen des Abessinier-Tabby-Mutation-Gens (rötliches geticktes Fell) aus den 1830er Jahren existiert nach wie vor als Ausstellungsstück im Zoologischen Museum der niederländischen Stadt Leiden. Diese wurde als indische Hauskatze identifiziert. Möglicherweise kam das Ticking-Gen mit dem Handel aus Indien nach Europa. Die Truppen der British India Army der Äthiopienexpedition von 1868 stach von Bombay mit mehr als 280 Dampf- und Segelschiffen in See (13.000 britische und indische Soldaten, 26.000 Zivilpersonen und mehr als 40.000 Tiere, darunter Elefanten und sicher auch Schiffskatzen), so könnte die Abessinier-Tabby-Mutation von Indien nach Abessinien gelangt sein. Die Vorhut, bestehend aus Ingenieuren, landete  bei Zula am Roten Meer und begann mit dem Bau eines Hafens. Die Briten nahmen den Rückweg wieder über Zula und fuhren zurück nach England durch den Suez-Kanal. Die Katze Zula wurde sicher nach dieser Stadt benannt. Eine Abessinierkatze namens Cinnamon wurde zur Entschlüsselung des Katzen-Genoms ausgewählt, die 2007 abgeschlossen wurde. Cinnamon ist das englische Wort für Zimt und Namensgeber für eine Fellfarbe, hier ist aber der Name der Katze, deren Genom sequenziert wurde, gemeint.

 

Bild der Wissenschaft: Genforschung  Durchleuchtete Katzen

Das Katzengenom ist vor allem deswegen interessant, weil bei Katzen viele Krankheiten auftreten, die es auch beim Menschen gibt. Allein 250 natürlich auftretende Erbkrankheiten sind bekannt. So kommt in Cinnamons mehrere Generationen umspannendem Stammbaum beispielsweise eine Mutation vor, die die Augenkrankheit Retinitis pigmentosa auslöst, konnten die Forscher nachweisen. Diese Krankheit führt zu einer Degeneration der Netzhaut und schließlich zu Blindheit. In Deutschland sind davon schätzungsweise 30.000 bis 40.000 Menschen betroffen.

Erbkrankheiten

Zusätzlich zu allgemeinen Krankheiten bei Hauskatzen und bekannten „Inzestfolgen“ gibt es bei den Abessinierkatzen (und den genetisch fast identischen Somalis) spezielle Krankheiten.

Mehr Infos dazu siehe:

Abessinien

Äthiopien ist der älteste durchgehend unabhängige und heute noch bestehende Staat Afrikas und einer der ältesten der Welt. Nach äthiopischer Überlieferung gründete Menelik I., angeblich Sohn von König Salomon und der Königin von Saba, das Äthiopische Reich. Das Kaiserreich Abessinien, vereinfacht Abessinien oder auch Kaiserreich Äthiopien, war ein Staat in Ostafrika am Roten Meer, der im Südosten an das heutige Dschibuti und Somalia (Horn von Afrika), im Süden an Kenia und im Nordwesten an den Sudan grenzte. Es wird vermutet, dass das bei den Alten Ägyptern bekannte Goldland Punt am Horn von Afrika lag.

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Dezember 20 2014

Waldkatzen

Waldkatzen gehören zu den sogenannten Naturrassen. Das bedeutet, sie sind nicht das Ergebnis von Katzenzüchtern, sie stammen aus Verpaarungen von Hauskatzen, genauer gesagt aus Paarungen von heimischen Hauskatzen (Felis silvestris catus) mit Hauskatzen mit Migrationshintergrund (Felis silvestris catus aus Kleinasien, Träger des rezessiven Langhaar-Gens).

Wildkatze und/oder Waldkatze

Europäische Wildkatze
Europäische Wildkatze

Die Wildkatze (Felis silvestris) ist eine Art aus der Familie der Katzen, die in verschiedenen Unterarten eingeteilt wird. Eine dieser Unterarten ist die Afrikanische Wildkatze oder Falbkatze (Felis silvestris lybica), die Urmutter unserer Hauskatze. Sie hat einen spitz zulaufenden Schwanz und ein unscheinbares Streifenmuster. Eine andere Unterart ist die Europäische Wildkatze (Felis silvestris silvestris). Sie hat einen buschigen Schwanz,  am Schwanzende häufig drei schwarze Streifen. Das Fell ist dicht, das Streifenmuster recht auffällig, aber auch oft verwaschen. Sie wird auch als Waldkatze bezeichnet. Wegen der Ähnlichkeit und der nahen genetischen Verwandtschaft war der Ursprung der Hauskatze (Felis silvestris catus) lange nicht gänzlich geklärt. Eine verwilderte Hauskatze mit der typisch streifig gemusterten grauen Fellzeichnung ist leicht mit einer Wildkatze zu verwechseln. Zudem paaren sich auch Haus- und Wildkatzen, das Ergebnis dieser Paarungen nennt man Hybridkatzen. Die Generationen F1-F4 gelten rechtlich als Wildkatzen. In nördlichen Gefilden ist ein dichtes Fell praktisch und Wildkatzen haben ein solches, jedoch gibt es keine langhaarigen Wildkatzen. Daher stellt sich die Frage: „Woher kommt das  lange Fell der Waldkatzen?“

Langhaarkatzen

Die Zucht dieser Rassen begann erst später, bekannt und beliebt waren die Langhaarkatzen schon viel früher. Der Ursprung der Langhaarmutation  liegt vermutlich im Nahen Osten (Türkische Angora, Türkisch Van). Die ursprünglich aus der Türkei stammende Angorakatze ist laut Gen-Untersuchungen die älteste Langhaarrasse, sie hat einen natürlichen Ursprung, denn sie ist durch das mutierte Langhaar-Gen entstanden und somit auch die Urmutter aller Langhaarrassen. Langhaarkatzen galten als Prestigeobjekte und so wurden sie im 16. Jahrhundert von Sultanen des Osmanischen Reiches als Geschenk an die Höfe in England und Frankreich geschickt. Im 18. Jahrhundert waren sie Statussymbol an europäischen Höfen, wie zahlreiche Gemälde dieser Zeit dokumentieren. Die Verbreitung der Hauskatze erfolgte hauptsächlich über die Handelswege und als Schiffskatzen.

Die Wikinger

Reisewege und Siedlungsgebiete der Wikinger
Reisewege und Siedlungsgebiete der Wikinger

Als Wikinger werden kriegerische, zur See fahrende Personengruppen bezeichnet, die aus nordischen und baltischen Völkern des Nord- und Ostseeraumes stammen und während der Wikingerzeit, im Frühmittelalter, lebten. Die Altnordische Literatur umfasst die Altdänische, Altschwedische, Altnorwegische und Altisländische Literatur. Das Wort Wikinger leitet sich vermutlich von dem altnordischen Wort víkingr ab. Das Wort ist allerdings älter als die eigentliche Wikingerzeit und bereits im angelsächsischen Wídsíð belegt aber erst im Jahr 879 wurde das Wort Wikinger in der Angelsächsischen Chronik  verwendet. Die Wikinger waren geschickte Segler und Schiffsbauer, aber ihnen fehlte ein wichtiges Navigationswerkzeug – der Magnetkompass.  Aus archäologischen Funden ist bekannt, dass sie einen einfachen Sonnenkompass und ein sogenanntes Horizont-Brett nutzten, um anhand des Sonnenstands und der Position der Sonnenauf- und Untergänge am Horizont ihre geografische Breite und Fahrtrichtung grob zu bestimmen. Mit einem sogenannten Sonnenstein, einem Kristall, konnten sie die Sonne orten, auch wenn sie hinter Wolken oder im Nebel verborgen war. Nach Ansicht von Balázs Bernáth von der Eötvös Universität in Budapest und seinen Kollegen besaßen die Wikinger aber noch eine weitere Navigationshilfe, ein sogenanntes Dämmerungsbrett. Ein unter den Ruinen einer Benediktinerabtei im grönländischen Uunartoq entdecktes Artefakt aus der Wikingerzeit brachte sie auf dessen Spur.  So konnten die Wikinger, bereits 500 Jahre vor Kolumbus, Amerika entdecken. Im Jahr 986 erreichte der Norweger Bjarni Herjolfson, er hatte sich während der Fahrt von Island nach Grönland im Nebel verirrt und war vom Kurs abgekommen, als erster die Küste Niordamerikas.  Er ging jedoch nicht an Land, deshalb gilt Leif Eriksson als Entdecker. Leif Eriksson war Isländer, Sohn Eriks des Roten (Thorvaldsson), dieser ist bekannt als der Gründer der ersten skandinavischen Siedlung in Grönland. Leif Eriksson trug den Beinamen der Glückliche. Er unternahm eine Fahrt zu den, von Bjarni Herjolfson beschriebenen Gebieten, und überwintert dort. Er wurde somit der Entdecker von Nordamerika, da er als erster Europäer um das Jahr 1000 über den Seeweg kam und an Land ging. Er nannte den entdeckten Teil Nordamerikas Vinland. Die Entdeckung Amerikas durch Leif Eriksson wird in den beiden Vinland-Sagas unterschiedlich geschildert. Das erste schriftliche Zeugnis findet sich in den Gesta Hammaburgensis ecclesiae pontificum des Adam von Bremen aus dem Jahre 1076. Es ist inzwischen archäologisch gesichert. Davon zeugen die 1978 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärten Reste einer skandinavischen Siedlung auf Neufundland bei L’Anse aux Meadows. Aus Schweden kamen Wikinger (Waräger) auch ins Baltikum nach Samland und ins Memelland. Im Ort Ruß (Rusnė) im Memeldelta fanden die Wikinger einen sicheren Hafen, von dem aus sie über die Flusswege weiter nach Osten vordrangen. Von der Bezeichnung dieses Ortes könnten die Bezeichnungen der dort eindringenden Wikinger und später der Russen ihren Namen erhalten haben. Was haben die Wikinger mit den Waldkatzen zu tun? Die Wikinger hatten als Seefahrer und Händler/Räuber ganz Europa durchstreift und besassen Verbindungen zum Osmanischen Reich. Aus dem Orient stammende (Haus)Katzen brachten nicht nur das Langhaargen (siehe Langhaarkatzen), auch die östlichen Farbschläge (chocolate, lilac, cinnamon, fawn, caramel). Es wird vermutet, dass mit der Expedition von Leif Eriksson  Norwegische Waldkatzen nach Nordamerika reisten und dort eine Ursprungspopulation bildeten, die sich später mit den Hauskatzen der Siedler vermischten.

Norwegische Waldkatze

Norwegische Waldkatze beim Baumabstieg
Norwegische Waldkatze beim Baumabstieg

Die Norwegische Waldkatze, kurz als Norweger bezeichnet (norwegisch Norsk Skogkatt) ist eine sehr ursprüngliche, über lange Zeiträume ohne gezielte züchterische Einflussnahme entstandene regionale Hauskatze Norwegens. Der Ursprung ist unbekannt. Möglicherweise haben Seefahrer einst Langhaarkatzen als Schiffskatzen aus dem Süden mitgebracht, die sich mit einheimischen Hauskatzen kreuzten und über Jahrhunderte zum heutigen Typ führten. Sie sind groß, kräftig und muskulös gebaut, sehr robust und besitzten ein doppellagiges Fell aus dichter Unterwolle und aus stark wasserabweisendem Deckhaar, das durch eine dünne Schicht aus noch längeren Grannenhaaren, die fein über dem Fell liegt, unterstützt wird (dies wirkt wie eine dritte Haarschicht). Dieses Fell ist im kalten Norden von Vorteil, ebenso ihr muskulöser stattlicher Körperbau. Zwischen den Ballen der Pfoten befinden sich, wie bei allen Langhaarkatzen, Haarbüschel, sogenannte Schneeschuhe. Die Norwegische Waldkatze kann außerordentlich gut klettern und aufgrund ihrer Größe und Geschmeidigkeit sehr hoch und auch tief hinab springen. Baumabstiege erfolgen sehr schnell, zuerst mit weit gespreizten Beinen und Pfoten spiralförmig seitlich kletternd, dann aus beträchtlicher Höhe herabspringend und meist ohne rückwärts klettern zu müssen. Die gezielte Zucht der Norwegischen Waldkatze begann in den 1930er Jahren, 1938 war die Norwegische Waldkatze erstmals auf einer Ausstellung in Oslo zu sehen.

Sibirische Katze und Neva Masquarade

Die Bezeichnung Sibirische Katze (Sibirskaja Koschka) in Russland  ist keine Rasse- oder Herkunftsbezeichnung, sondern ein volkstümlicher Ausdruck für kräftige Katzen mit üppigem, langhaarigen Fell. Sie kamen als Hauskatzen der Siedler. Nicht geklärt ist, seit wann das Langhaargen in der russischen Hauskatzenpopulation verbreitet ist, ob es sich über Handelswege wie die Seidenstraße ausgehend von der Türkischen Angorakatze verbreitet hat. In Westeuropa jedoch waren langhaarige Katzen bis in das 19. Jahrhundert hinein eine Seltenheit, so dass Forschern und Reisenden die langhaarigen Katzen in Russland schon früh auffielen und in deren Schriften Erwähnung fanden. Als Harrison Weir 1871 die erste Katzenausstellung überhaupt im Londoner Kristallpalast organisierte, waren unter den ausgestellten Langhaarkatzen auch Exemplare russischen Ursprungs. Die ersten langhaarigen Katzen aus Russland tauchten in Mitteleuropa erst wieder 1984 auf, und zwar in der DDR. Bauarbeiter der Druschba-Trasse hatten sie mitgebracht. Mit einigen dieser Trassenkatzen begann dann in der DDR ab 1985 eine Experimentalzucht. In Russland selbst begann die planmäßige Registrierung /Zucht der Sibirskaja Koschka 1987 in St. Petersburg. Von Anfang an war auch die Point-Variante im Standard inbegriffen.  Newskaja Maskaradnaja wird sie in Russland bezeichnet. wird (nach dem Fluss Newa). Unter dem Namen Neva Masquarade wird sie je nach Verband heute teils als eigenständige Rasse, teils als Farbvarietät der Sibirischen Katze gezüchtet. Die Sibirische Katze ist eine kräftig gebaut. Sie verfügt über ein doppellagiges Fell aus wasserabweisendem, griffigem Deckhaar und dichtem, feinen Unterfell. Aus den Ohrmuscheln ragen feine, lange Haarbüschel, auch sie hat die sogenannten Schneeschuhe.

Maine Coon

Die Maine-Coon (engl. coon von raccoon Waschbär), auch Amerikanische Waldkatze genannt, gehört auch zu den ursprünglichen  Naturrassen. Sie ist eine amerikanische Hauskatze, die vermutlich mit den Siedlern nach Neuengland kam, einem Gebiet im Nordosten der USA, das neben Virginia der Ursprung der englischen Besiedlung Nordamerikas war. Der hohe Anteil der Katzen  mit Polydaktylie (Vielfingrigkeit – eine vererbbare, angeborene, anatomische Besonderheit) unter den Schiffskatzen zeigt sich besonders in Neuengland. Dieses Phänomen nennt man Gründereffekt (engl. Founder Effect). Wenn eine große Population aus einer kleinen Gründerpopulation hervorgeht, treten deren Merkmale offenbar vermehrt auf und setzen sich bei den Nachkommen häufiger durch. Betrachtet man das regionale Auftreten von besonderen Merkmalen, wie z.B. ein längeres Fell, Mehrzehigkeit oder bestimmte Fellfarben, näher, kann man zurückverfolgen, wie und wann sich eine bestimmte Population ausgebreitet hat. Bei der Zucht von Rassekatzen kann der Gründereffekt eine Ursache für das Vorkommen rassespezifischer Erbkrankheiten sein. Die Maine Coon stammt zweifellos von Schiffskatzen ab. Die Kolonialisierung Neuenglands begann im 17. Jahrhundert. Sogenannte Pilgerväter segelten 1620 auf der Mayflower über den Atlantik und gründeten die Kolonie Plymouth (Plymouth Colony) im heutigen Massachusetts. Nach 1629 wanderten im Zuge der Great Migration zehntausende Puritaner von England in die Massachusetts Bay Colony aus und gründeten Siedlungen wie Boston, Salem und Roxbury. Praktisch jedes Schiff hatte zur Rattenbekämpfung Schiffskatzen an Bord, bessergestellte Einwanderer brachten ihre Haustiere mit. Maine-Coon-Katzen sind sehr gross, haben ein langes, dichtes und wasserabweisendes Fell und zwischen den Zehen ragen Fellbüschel, die Schneeschuhe, heraus. Das sind die auffälligen Gemeinsamkeiten der Waldkatzen. Erste Hinweise auf langhaarige Katzen im Maine-Coon-Typ sind erst für die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts belegt. Die ersten Züchter etablierten sich erst in den 1960er/70er Jahren.

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Oktober 15 2014

Celtic Kitty

Spuren der "Celtic Kitty"
Spuren der „celtic kitty“

Pfotenabdrücke auf römischem Ziegel in den USA

Celtic Kitty, das ist der Name, den die Archäologen der Fort Vancouver National Historic Site der Katze  gegeben haben, die ihre Pfotenabdrücke auf einem Lehmziegel hinterlassen hat, der in den USA in den 80er Jahren entdeckt wurde und, wie sich später herausstellte, aus der Römischen Provinz Britannien stammte.

Der Fundort

Im Jahre 1806 kampierten die Teilnehmer der Lewis-und-Clark-Expedition (erste amerikanische Überlandexpedition zur Pazifikküste und zurück) in dieser Gegend. Fort Vancouver hieß das Hauptfort der Hudson’s Bay Company (HBC) im Columbia District, der die nördliche Hälfte des seinerzeitigen Oregon Country ausmachte. Der Handelsposten am Columbia River, im heutigen Vancouver im US-Bundesstaat Washington, entstand 1824, sechs Jahre, nachdem sich Großbritannien und die Vereinigten Staaten auf eine gemeinsame Verwaltung des Gebiets geeinigt hatten und wurde später bis 1946 als Militärbasis genutzt. Vancouver wurde das Stadtrecht am 23. Januar 1857 verliehen. Das kanadische Vancouver wurde erst 1886 zur Stadt, fast 30 Jahre später als das US-amerikanische Vancouver und über 60 Jahre später als Fort Vancouver. Die erheblich größere Stadt Vancouver in British-Columbia (B.C.) in Kanada liegt etwa 400 km nördlich. Beide Städte wurden nach dem britischen Kapitän George Vancouver benannt. Am 19. Juni 1948 wurde das ehemalige Fort Teil der Fort Vancouver National Historic Site.

Die Hudson’s Bay Company (HBC) ist ein kanadisches Handelsunternehmen, das 1670 mit einem Privileg Karls des II, König von England, Schottland und Irland, gegründet wurde. Sie unternahm frühe Erkundungen und wirkte in vielen Gebieten des Kontinents als britische De-facto-Regierung, bevor die Besiedlung in großem Stil einsetzte. Die Hudson’s Bay Company ist das älteste eingetragene Unternehmen in Kanada und zählt zu den ältesten heute bestehenden Unternehmen der Welt.

Das Fundstück

Die Studentin Kristin Converse schrieb ihre Diplom-Arbeit über die Ziegelherstellung im Willamette Valley. In Fort Vancouver fiel ihr der Ziegel mit den Pfotenabdrücken auf. Er gehörte zu einer Gruppe von Ziegeln, die nicht aus der Region stammten. Der Archäologe Karl Gurcke stellte 1982 fest, dass die Ziegel von der Grösse und Form Römischen Ziegeln ähnelten. Entweder sie kamen als Ballaststeine oder als Baustoff, in einem der Versorgungs-Schiffe der Hudson’s Bay Company, im frühen 19. Jahrhundert aus Britannien.

Die Analyse

Kristin Converse lies die Ziegel mittels Neutronenaktivierungsanalyse (NAA) testen. NAA ist eine kernphysikalische Methode zur quantitativen Analyse der Element- oder Isotopenzusammensetzung von Proben, die dazu mit Neutronen bestrahlt werden. In der Archäologie wird die NAA vor allem zur Herkunftsbestimmung von Rohmaterialien eingesetzt.

Römische Provinz Britannien

Britannien, die Gebiete des heutigen England bis zum Hadrianswall, Cornwall und Wales, stand von 43 bis ca. 440 n. Chr. unter römischer Herrschaft. Der Ziegel lag wahrscheinlich zum Trocknen in der Sonne, als eine neugierige Katze ihren Pfotenabdruck im, noch feuchten, Ziegel hinterliess. Es war Celtic Kitty.

 

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April 14 2014

Dick Whittington und seine Katze

Dick Whittington
Dick Whittington mit seiner Katze

Dick Whittington und seine Katze ist der Titel einer britischen Legende. Es geht um das Leben von Richard Whittington, einem Kaufmann und Politiker, der im 14. Jahrhundert lebte. Das war die Zeit, als König Edward III über England und Wales herrschte. Dieser war einer der bedeutendsten britischen Herrscher des Mittelalters. Während seiner Herrschaft gewann die Legistlative – das Englische Parlament, später das Britische Parlament und heute Parlament des Vereinigten Königreichs, an Macht. Richard Whittington war mehrfach Bürgermeister von London und ein Mitglied des Englischen Parlaments. Die Story wurde aber erst im 19. Jahrhundert durch die Märchensammlungen von Joseph Jacobs, einem australischen Historiker und Volkskundler, der sich vor allem mit Erzählforschung befasste, bekannt.

 

Dick Whittington und seine Katze, die Legende

Dick Whittington und seine Katze, Statue
Dick Whittington und seine Katze, eine Statue in der Guildhall, London .

Richard Whittington wurde 1354  in Gloucestershire geboren. Der Legende nach starben seine Eltern, als er noch ein Kind war. Da er keine Angehörigern mehr hatte, ging er nach London, um dort, „wo die Strassen mit Gold gepflastert sind“, sein Glück zu versuchen. Er stellte schnell fest, dass die Strassen schmutzig und viele Menschen arm, wie er, waren, aber er wurde tatsächlich erfolgreich. Er fand Arbeit bei Mr. Fitzwarren, einem reichen Kaufmann, als Küchenhilfe. In seiner Dachkammer gab es eine Mäuse- und Rattenplage. Er hatte einen Penny und kaufte eine Katze die das Nagerproblem löste. Als Mr. Fitzwarren ein Handelsschiff ausrüstete, gab er seinen Angestellten die Möglichkeit, eigenes Handelsgut mitzusenden. Dick Whittington hatte weder Ware noch Geld, deshalb schickte er seine Katze mit. Als er vor seinem strengen Koch weglaufen wollte, hörte er Kirchernglocken, die ihm sagten, er solle zurückkehren, dann würde er dreimal Bürgermeister von London  werden… Als das Schiff an der afrikanischen Küste angekommen war, schickte der Kapitän Warenproben zum König und seiner Frau. Er sah, dass es eine Ratten- und Mäuseplage gab und verkaufte dem Königspaar die Katze und erhielt für die Katze ein Vermögen. Als das Schiff zurückkam, wurde Whittington zu einem reichen Mann und heiratete Alice, die Tochter von Mr. Fizwarren. Er wurde Sheriff und dreimal Bürgermeister von London und erhielt von König Henry V die Ritterehre. Er starb 1423 in London.

 

Richard Whittington, die wahre Geschichte

Der jüngste Sohn wurde 1370 von seinem wohlhabenden Vater nach London geschickt, um bei einem befreundeten Kaufmann in die Lehre zu gehen. Nur neun Jahre später gründete er sein eigenes Unternehmen und spezialisierte sich auf den Handel mit edlen Stoffen und belieferte damit die bürgerliche Oberschicht, den Adel und das Königshaus. Er wurde zu einem  mächtigen Kaufmann, war aber auch durch sein soziales Engagement bekannt. Ob er wirklich eine Katze hatte, ist umstritten. Die Katze galt als Glücksbringer, so waren zum Beispiel Schiffskatzen nicht nur Mäuse-Jäger, sie waren Maskottchen, sollten Glück bringen. Die Katze auf dem Bild soll nachträglich gemalt worden sein.

 

In London findet man einige Orte, die an Dick Whittington erinnern:

 

weiterführende Links

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Oktober 18 2012

Katzen in Ägypten

Dienstag, den 26. Januar 2010

Ein ägyptischer Pharao konnte gleichzeitig Mensch und Gott sein, Tiere konnten mit Göttern in Verbindung stehen, die Tiere selbst wurden wahrscheinlich nicht verehrt, jedoch mit Ehrfurcht behandelt. Viele Berichte über den Umgang der Ägypter mit Katzen sind möglicherweise übertrieben. Sie bezogen zahlreiche Tiere in ihre religiösen Bräuche ein, Katzen machten nur einen Bruchteil im rituellen Geschehen aus.

Durch die Austrocknung der nordafrikanischen Wüsten wurden die Jäger- und Sammlerkulturen in Ägypten als Ackerbau treibende Bauern sesshaft. Ihre wüsten-nomadische Totem-Religion traf auf die einheimische Bauernreligion und vermischte sich mit dieser. Daraus entstand die heute bekannte Ägyptische Mythologie mit ihrer Göttervielfalt. Ein Totem wird als Wesen empfunden, von dem eine Person abstammt, der Urahn eines Menschen oder seiner Gruppe. Er ist daher auch eine Art Schutzgeist, der für die Gesellschaft eine bestimmte Bedeutung hat.

Pyramideninschriften aus den Jahren um 2300 v. Chr. sprechen dafür, dass schon im Alten Reich, ab der 5./6. Dynastie Katzen eine wichtige Rolle spielten. Anfangs nannte man die Katzen „Miu“ und die Kater „Miut“, daraus wurde später „Mau“. Heute gibt es eine Katzenrasse „Ägyptische Mau“, die den historischen Darstellungen ähnelt.

Die Katze wird in der ägyptischen Mythologie als Totemtier der Bastet, in Form einer Frau mit Katzenkopf und erotischem Charakter dargestellt, da sie die Göttin der Fruchtbarkeit und Freude, des Lebens, der Familie und des Mondes war. In der Frühzeit wurde sie in Pyramidentexten als Löwin dargestellt, später erfolgte ihre Darstellung als sitzende Katze. Bastet ist Tochter und zugleich Gemahlin des Sonnengottes Ra (auch Re genannt). Bastet wurde im Alten Reich mit der Göttin Hathor und zu dieser Zeit in Memphis auch mit der Göttin Sachmet gleichgesetzt und breitete sich später über ganz Ägypten aus.

Starb eine Katze, rasierten sich alle Angehörigen des betreffendes Haushaltes die Augenbrauen ab und trugen Trauer. Unter Klageliedern wurde der einbalsamierte Leichnam zum Katzenfriedhof gebracht, selbst wenn die oft lange Reise dorthin die Familien finanziell ruinierten. In Bubastis fanden alljährlich prunkvolle Begräbnisfeiern statt. Wer eine Katze tötete, sei es auch nur versehentlich unter unglücklichen Umständen geschehen, wurde ohne Urteil mit dem sofortigen Tod bestraft. Der Katzenkult im Ägyptischen Reich hatte vor allem während der 22. und 23. Dynastie (945 – 715 v. Chr.) seinen Höhepunkt. Damit die Seelen der toten Katzen in ihre Körper zurückkehren können, balsamierte man die Leichname ebenso sorgfältig ein wie die der Könige und setzte sie im Tempelbereich bei. Zeugnis der Bestattungskultes legen die riesigen Katzenfriedhöfe in Bubastis und Beni Hassan ab. Den Katzen gab man Spielzeug mit ins Grab. Bubastis diente zudem als Wallfahrtsort für Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch.  Auch war es bei Strafe verboten, Katzen außer Landes zu bringen.

Zahlreichen Funde junger Katzen mit gebrochenem Genick führten zu der These, dass Priester Katzen züchteten, töteten und schliesslich mumifizierten, um sie dann als Opfergaben an die Bevölkerung zu verkaufen. Anschließend wurden die Katzen auf einem der vielen Tierfriedhöfe beerdigt. Es wurde auch von Maßnahmen zur Dezimierung durch Erschlagen, Erdrosseln und Ertränken berichtet. Die Katze war nicht nur „Hülle“ der Göttin Bastet, sie verkörperte alle weiblichen Sonnengottheiten und damit stellvertretend die „verschiedenen Grade der Sonnenintensität, von der milden Wärme bis zur brennenden Verwüstung“. Sachmet, (auch Sechmet) ist eine Göttin der ägyptischen Mythologie in Löwengestalt und als Pendant zu Bastet symbolisierte sie das Zerstörerische und Böse des Charakters einer Katze, aber unter ihrem friedlichen Aspekt wurde sie auch wieder zu eben dieser Katzen- und Liebesgöttin.

Tempeltiere waren die Tiere, die bis zu ihrem Tode ausschließlich im Tempel untergebracht waren und dort eine Gottheit verkörperten. In jedem Tempel lebte nur ein Individuum derselben Art. Intensives Trauern und ein Verhängen der Todesstrafe waren nur im Falle eines Tempeltieres und lediglich in Bubastis, dem Bezirk der Stadtgöttin Bastet, innerhalb der Mitglieder der Katzengemeinschaft üblich.
Artgenossen galten nicht als Götter, wohl aber als Lieblinge des im Tempeltier symbolisierten Gottes und waren damit heilig und unverletzlich. Sie besiedelten das Tempelareal und wurden als potentielle Tempeltiere angesehen. Nach ihrem Tod wurden sie ebenso einbalsamiert, wenn auch nach einer weitaus billigeren Methode, um dann meist in relativ kunstlosen Massengrüften abgelegt zu werden. Das Töten der Heiligen Tiere gehörte zum notwendigen Ritualgeschehen.
Fetischtiere waren Exemplare, die in Privathäusern gehalten wurden, was vor allem in den unteren Bevölkerungsschichten der Fall war. Man schützte sie wie die heiligen Tiere, jedoch wurden sie bei Ableben ihres Besitzers getötet und einbalsamiert seinem Grab beigegeben.
Katzenmumie
Katzenmumie

In Ägypten wurden bislang über 130 Tierfriedhöfe geborgen. Auf fast allen fand man Katzen bestattet. Das rührt sicherlich daher, dass Bastet Göttin des königlichen Neujahrsfestes wurde. Sie, die den Horusbei seiner Geburt als Schutzgöttin und bei seiner Inthronisation als Standartengöttin begleitet hat, fand aufgrund des überregionalen Kultes der Verjüngung des Königs Verbreitung im ganzen Land. In Memphis umfasste der Tempelbezirk der Bastet den Bestattungsplatz der Katzen, das Gotteshaus, Wohnquartiere und andere Verwaltungsgebäude.

Abschließend bleibt festzustellen, dass das Verhältnis der Alten Ägypter zur Katze bei weitem nicht von der Liebe durchdrungen war, wie immer behauptet. Bereits hier wurde die Katze einerseits mit Dämonen und Unheil in Verbindung gebracht und andererseits als Beschützerin dargestellt. Katzentötungen zu rituellen Zwecken nahmen in Ägypten ihren Anfang. Sicherlich wurde die Katze außerdem häufig als Haustier ohne religiöse Hintergründe gehalten. Ihre Nützlichkeit und ihr einnehmendes Wesen haben auch schon in dieser lang zurückliegenden Epoche die Menschen dazu verleitet, sie an sich zu binden. So ist die Katze das einzige Tier, dass die Alten Ägypter in den Zeiten ihrer Dynastien dauerhaft domestiziert haben.

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Oktober 17 2012

Domestikation Teil 2

TEIL 2

Verbreitung der Hauskatze

Fortsetzung von Teil 1: Ursprung der Hauskatze

Das Gebiet des Fruchtbaren Halbmonds, gilt als Ursprung des Übergangs von der nomadischen Lebensweise zu einer neuen Epoche, geprägt durch feste Siedlungsplätze, Ackerbau und Viehzucht mit Vorratshaltung (Landwirtschaft) sowie als das Gebiet mit einigen der ältesten Stadtkulturen der Welt. Im sogenannten Zweistromland, zwischen den Flüssen Euphrat und Tigris, lagen die Stadtstaaten und Reiche der Sumerer, Babylonier, Aramäer und Assyrer. Mesopotamien handelte mit den angrenzenden Ländern. Die Fernhandelsbeziehungen reichten bis zum Indusdelta, Kreta, Ägypten und vermutlich weit darüber hinaus. Die Waren wurden per Schiff oder mit Karawanen transportiert.

 

Ohne Haustiere wäre Zivilisation undenkbar

Vor allem drei Tiere haben die Evolution der Menschheit geprägt: der Hund, die Katze, das Rind. […] Wie der Urmensch stammt die Katze aus Afrika, vor Tausenden Jahren jagte und spielte sie auf den Feldern des fruchtbaren Halbmonds – ein Gebiet von Ägypten bis zum Tigrisdelta. Vor etwa 9000 Jahren kamen Katzen in der Gegend des heutigen Irak dahinter, dass es sich im Gefolge von Menschen gemütlich leben lässt. Die ersten Katzen, so wissen Forscher heute, machten sich in der Nähe von menschlichen Siedlungen nützlich: Sie beseitigten den Abfall, jagten Schädlinge und Vögel – und galten obendrein auch noch als Delikatesse.


Die Hauskatze ist ein Kulturfolger, sie folgt dem Menschen auf den, von ihm erschaffenen, Verkehrswegen. Sie lebt in seinen Behausungen und profitiert von Ackerbau und Vorratshaltung, da sie hier Nahrung findet.

 

Katzen zu Land

Bekannte Handelswege im Alten Orient sind die Seidenstrasse (transkontinental von Ostasien bis zum Mittelmeer) und die Weihrauchstrasse (vom Süden Arabiens bis zum Mittelmeer). Seit der Mitte des 4. Jahrtausends v. Chr. erleichterte „die Erfindung des Rades“ den Transport der Handelsgüter. Die Routen bestanden zuerst aus unbefestigten  Naturwegen, deren Verlauf sich nach Geologie und Topographie richtete. Auf diesen Routen gab es sogenannte Karawansereien, das sind Herbergen, wo die Reisenden übernachten und sich mit  Reiseproviant versorgen konnten. Große Karawansereien dienten zugleich als Warenlager und Handelsplatz, an solchen Plätzen gab es Nahrung für Katzen.

In Indien war die Hauskatze häufig ein wichtiger Bestandteil religiöser Zeremonien. Von dort gelangte sie erst nach China und später nach Japan, wo sie ähnliche Aufgaben übernahm. In China um 1500 v. Chr. beschützten die Katzen die Kokons der Seidenraupen und in den Tempeln die alten Handschriften vor den Ratten und Mäusen.

 

Katzen zur See

Wissenschaftler haben auf Kreta 130 000 Jahre alte Steinwerkzeuge gefunden, wahrscheinlich kamen die Menschen damals schon als Seefahrer auf die Insel.

Spektrum der Wissenschaft April 2010 „Die wahre Herkunft der Hauskatze“

Im Jahr 2004 gaben Jean-Denis Vigne und seine Kollegen vom Muséum national d’Histoire  naturelle in Paris den Fund eines Grabs bekannt, wo vor 9500 Jahren eine junge Katze mitbestattet worden war. […] Dieser Fund gilt jetzt als ältester Hinweis darauf, dass man sich schon damals Katzen hielt. Auf den meisten Mittelmeerinseln lebten ursprünglich keine Wildkatzen. Nach Zypern müssen Menschen darum Katzen im Boot mitgenommen haben, wahrscheinlich von der nahen Levante her.

 

Geschichte der Seefahrt

7000 v. Chr.: Um diese Zeit beginnen die Menschen erstmals, Wasserfahrzeuge zu bauen, mit denen die Hohe See befahren werden kann. Es sind wahrscheinlich schon Plankenboote oder größere Fellboote. Zypern, Kreta, Sardinien, Irland, und auch die Kanarischen Inseln zeigen aus dieser Zeit erste Besiedlungsspuren.

Philister

Die Philister bewohnten im 12. Jahrhundert v. Chr. die Küste des historischen Palästina, ihre  Herkunft ist bis heute unklar.Sie gehörten vermutlich zu den „Seevölkern“, einer Koalition von Völkern, die wahrscheinlich aus Westanatolien  und der Ägäis/Kreta stammen. Die Hafenstädte stellten, mit den Phöniziern, die Flotte der Assyrer, die keine eigene hatten.

Phönizier

Den größten Anteil hatten die Phönizier, ein semitisches Volk des Altertums, das hauptsächlich im Bereich des heutigen Libanon und Syrien an der Mittelmeerküste lebte. Archäologische Quellen verweisen auf die Sinai-Halbinsel als Herkunft. Sie standen bis um 1200 v. Chr. unter dem kulturellen und politischen Einfluss Ägyptens. Die Ausfuhr von Katzen war im Alten Ägypten verboten. Darstellungen aus der Zeit vor 1000 v. Chr. zeigen Katzen an Bord ägyptischer Schiffe.

Der Name Phönizier leitet sich von der griechischen Bezeichnung Phoinikes ab. Sie haben sich selbst nie als solche bezeichnet, sondern benannten sich nach den Städten, aus denen sie kamen. In altägyptischen Quellen werden die Phönizier unter der Bezeichnung Fenchu erwähnt. Die Phönizier waren ausgezeichnete Seefahrer und die Katzen dienten als Schiffskatzen, sie schützten die Fracht vor Mäusen und Ratten.

Der Seevölkersturm, der um 1200 v. Chr. die Macht der Großreiche stark einschränkte, brachte den phönizischen Stadtstaaten die Selbständigkeit. Sie blieb bis zum Erstarken der assyrischen Großmacht um die Mitte des 8. Jahrhunderts v. Chr. bestehen. Als kühne Seefahrer und tüchtige Kaufleute wurden die Phönizier bald das beherrschende See- und Handelsvolk im Mittelmeer; Fahrten über die Meerenge von Gibraltar hinaus in den Atlantik sind belegt. Infolge der beschränkten Ausdehnungsmöglichkeiten ins Hinterland bauten sie den Mittelmeerhandel aus und gründeten Handelsniederlassungen an den Küsten und auf den Inseln des Mittelmeers, insbesondere auf Sizilien, Malta, in Südspanien und Nordafrika. Hauptausfuhrgüter Phöniziens waren Purpurstoffe, Zedern- und Pinienholz, Metall- und Glaserzeugnisse.

Im 8. Jahrhundert v. Chr. verloren die Phönizier ihre Stellung zur See an die Griechen; Phönizien selbst wurde assyrische Provinz….“

 

Griechen

Minoische Fresken zeigen Katzen in Jagdszenen. Katzen wurden mit der Göttin Artemis in Verbindung gebracht, eine religiöse Rolle konnte jedoch nicht nachgewiesen werden. Die minoische Kultur (Kreta) ist die früheste Hochkultur Europas, ihre frühminoische  Phase, verläuft parallel zur 1. bis 4. Dynastie Ägyptens.

Das altgriechische Wort für Katze, ailouros, taucht zwischen 800 und 500 v. Chr. auf und es wird ein schwarz/weißes Fell erwähnt, sie hatte sich damals  schon äußerlich von ihren wilden Vorfahren entfernt.

Größere Bedeutung für die Verbreitung von Hauskatzen in Europa hatten Tiere, die auf Handelswegen aus Vorderasien vor allem auf das griechische Festland gebracht wurden. Erstmalig erscheinen die Tiere hier auf Vasenmalereien des 5. und 4. vorchristlichen Jahrhunderts. In den Fabeln des Äsop wird die Katze als bäuerliche Mäusevertilgerin dargestellt, sie hatten nicht die Vorrangstellung, wie in Ägypten. Sie wurden als geschickt, anpassungsfähig und selbstbezogen beschrieben. Sie lebten mit dem Menschen zusammen, ihre Beziehung war allerdings nicht sehr eng. Siedler nahmen ihre Katzen mit und phönizische Händler brachten wahrscheinlich auch Katzen in andere Teile Europas, so erfolgte die Verbreitung in Europa.

Römer

Seit etwa 400 v. Chr. erschienen Katzen auf römischen Bodenmosaiken, Fresken, auf Tonscherben oder in Grabsteine gemeißelt. Sie  galten wahrscheinlich als Glücksbringer und sollten Personen und Orte schützen.

In der Ptolemäerzeit (323 – 30 v. Chr.) machten die Römer erstmals mit der ägyptischen Hauskatze Bekanntschaft. Als sie sich später in Europa eingebürgert hatte, wurde sie cattus genannt.

Die Römer verbesserten die Verkehrs- und Handelswege und damit die Verbreitung über den Landweg. In Europa wurden Katzenknochen in der Nähe von Militäranlagen gefunden, sie lebten in den Lagern der Armee und profitierten von den Lebensmittelvorräten.

Die Neue Welt

Später überquerten ihre Nachkommen die Meere bis nach Australien und Amerika. Fast jedes Schiff hatte mindestens eine Katze als festes Mitglied der Mannschaft an Bord. Ihre Aufgabe war es, die Lebensmittel, bei Handelsschiffen auch die Ware, vor Nagetieren zu schützen. Ob Kriegsschiff, Handel oder Expedition, Schiffskatzen waren immer dabei.

Im Rahmen der Europäischen Expansion kamen Katzen ab dem 15. Jhd. Nach Amerika. Der hohe Anteil der Katzen  mit Polydaktylie unter den Schiffskatzen zeigt sich besonders in Neuengland. Dieses Phänomen nennt man Gründereffekt. Die Maine Coon ist die erste und bekannteste amerikanische Katzenrasse. Sie stammt zweifellos von Schiffskatzen ab.

Wenn eine große Population aus einer kleinen Gründerpopulation hervorgeht, treten deren Merkmale offenbar vermehrt auf und setzen sich bei den Nachkommen häufiger durch. Betrachtet man das regionale Auftreten von besonderen Merkmalen, wie z.B. ein längeres Fell, Mehrzehigkeit oder bestimmte Fellfarben, näher, kann man zurückverfolgen, wie und wann sich eine bestimmte Population ausgebreitet hat. Bei der Zucht von Rassekatzen kann der Gründereffekt eine Ursache für das Vorkommen rassespezifischer Erbkrankheiten sein.

Zu welchem Zeitpunkt Katzen nach Australien kamen, weiß man nicht genau. Es gab Kontakte mit Indonesien, gestrandete Schiffe früherer Seefahrer oder der Niederländischen Ostindien-Kompanie. Europäische Siedler, die ihre Katzen mitbrachten,  ließen sich in Australien nieder.

Seit dem 19. Jhd. gibt es überall dort, wo Menschen leben, auch Katzen und während der langen Geschichte haben sich die Katzen den Gegebenheiten angepasst, in ihrem Wesen haben sie sich kaum verändert und sie gehören heute zu den beliebtesten Haustieren.

 

weiter zu Teil 3: Spuren der Domestikation im Erbgut der Hauskatze

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Oktober 17 2012

Domestikation Teil 1

Mittwoch, 2. September 2009

Ursprung und Verbreitung der Hauskatze

Teil 1

Der Ursprung

Die Wildkatze schloss sich freiwillig dem Menschen überall dort an, wo er sich niederliess, um Ackerbau und Vorratshaltung zu betreiben. Mensch und Tier lebten friedlich in Zweckgemeinschaft, was man anhand von archäologischen Funden belegen kann. Über Handelswege, vor allem durch die phönizischen Seefahrer, wurde die Hauskatze weltweit verbreitet.

Die Geschichte der Domestikation

Die Katzen (Felidae) sind eine Familie aus der Ordnung der Raubtiere (Carnivora) innerhalb der Überfamilie der Katzenartigen (Feloidea). Obwohl der Ursprung der gemeinsamen Stammform mit ihren Untergruppen heute als gesichert gilt, sind die genauen Verwandtschaftsverhältnisse innerhalb der Familie noch umstritten. Die Hauskatze (Felis catus)  ist ein fleischfressendes, zu den Katzen gehörendes Säugetier. Sie stammt ursprünglich von der nordafrikanischen Wild- oder Falbkatze (Felis sylvestris lybica) ab.

Ursprung

Die ersten Vorfahren der Kleinkatze der Alten Welt (Europa, Afrika und Asien), zu denen auch die Wildkatze gehört, erschienen vor etwa neun Millionen Jahren. Wegen der morphologischen Ähnlichkeit und der nahen genetischen Verwandtschaft innerhalb der Kleinkatzen gab es über den Ursprung der Hauskatze verschiedene Theorien. Die Domestikationsforschung geht heute davon aus, dass die Hauskatze lediglich von einer Wildart abstammt, nämlich der Wildkatze (Felis sylvestris), deren Lebensraum sich von Schottland über Afrika bis nach Asien erstreckt. Sie stammt ursprünglich von der nordafrikanischen Wild- oder Falbkatze (Felis sylvestris lybica) ab.

Domestikation

Die Domestizierung von Wildtieren erfolgt durch menschliche Auslese und Isolation zur Züchtung einer Art, die gewünschte Anforderungen erfüllt. Der Sinn besteht in der künftigen Verwendung als Nutz- oder Heimtier. Die natürliche evolutionäre Entwicklung wird durch künstliche Auswahl des Menschen nach Zuchtkriterien ersetzt. Der Haushund (Canis lupus familiaris), ein Haus-, Heim- und Nutztier dessen wilde Stammform der Wolf ist, gilt als das älteste domestizierte Tier.

Urmutter aller Katzen lebte im Nahen Osten
US-Forscher haben den Stammbaum der Hauskatze entschlüsselt: Die wilde Urkatze wurde vor mehr als 100.000 Jahre im Nahen Osten domestiziert und verbreitete sich von dort aus über die ganze Welt. Ihre Gene und ihr Killer-Instinkt haben sich seitdem kaum verändert.

Ein Team der Universität Oxford um den Genetiker Carlos Driscoll, das die Gene von fast 1000 Hauskatzen von fünf Kontinenten untersuchte, wies nach, dass alle fünf aufgefundenen genetischen Hauptlinien allein von der Felis silvestris lybica abstammen und dass die Domestikation im Gebiet des Fruchtbaren Halbmonds erfolgte. Dort liegen heute die Länder Ägypten, Israel/Palästina, Jordanien, Libanon, Syrien, die östliche Türkei, der Irak, Kuwait und der westliche Iran, auch „Vorderer Orient“, Vorderasien oder Naher Osten genannt. Dieses Gebiet gilt als Ursprung des Übergangs von der nomadischen Lebensweise zu einer neuen Epoche, geprägt durch feste Siedlungsplätze, Ackerbau und Viehzucht mit Vorratshaltung (Landwirtschaft) sowie als das Gebiet mit einigen der ältesten Stadtkulturen der Welt in der Jungsteinzeit (Neolithikum). Der Archäologe Vere Gordon Childe prägte den Begriff Neolithische Revolution.

Die wahre Herkunft der Hauskatze (Spektrum der Wissenschaft  April 2010)

 

Von Menschen und Mäusen

Mit beginnender Sesshaftigkeit der Menschen in Mesopotamien und Ägypten schloss sich ihnen die in den angrenzenden Wüstengebieten ehemals wildlebende Falbkatze an. Anfangs lebte sie als am Rande menschlicher Siedlungen und ernährte sich von Abfall. Die Menschen betrieben Ackerbau und legten Vorräte an. Dort fanden Mäuse, die sich zum Leidwesen der Menschen von deren Ernte nährten, reichlich Nahrung, vermehrten sich und damit wuchs auch das Speisenangebot der Katzen. Daraus ergaben sich Vorteile für Mensch und Katze und man vermutet, dass es allmählich zur Selbstdomestikation der Tiere kam, dass heisst, die Nachkommen dieser inzwischen „halbwilden“(gezähmten) Katzen passten sich immer mehr an den Menschen an. Aus dieser ursprünglichen Zweckgemeinschaft wurde eine intensive Beziehung zwischen Mensch und Katze. Während sie anfangs nur geduldet wurde, entwickelte sie sich zur geschätzten Mitbewohnerin, die später sogar Kultstatus erreichte. Zeugnisse des Zusammenlebens, die bei Ausgrabungen gefunden wurden, waren Skelettfunde, Zeichnungen und Skulpturen.

Auf dem Seeweg in die ganze Welt

Die Hauskatze kam auf dem Seeweg von Nordafrika und Vorderasien nach Europa und später auch nach Amerika und Australien. Wahrscheinlich waren es Phönizische Seeleute, die Hauskatzen aus Ägypten nach Italien, Gallien und Britannien schmuggelten (die Ausfuhr von Katzen aus Ägypten stand damals unter Strafe). Auf Handelswegen gelangten Hauskatzen aus Vorderasien nach Griechenland, wo erste Darstellungen von Mensch und Katze aus dem 5. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung stammen. Für die Weiterverbreitung aus Griechenland sorgten auch die Phönizier. In Europa verdrängten sie als Mäusejäger erst einige Zeit nach Beginn unserer Zeitrechnung das vorher von den Römern und Griechen domestizierte Frettchen, welches vom Iltis abstammt.

weiter …

 

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