Juli 28 2014

Altes Ägypten trifft auf Hightech

Im Alten Ägypten liegt der Anfang der Medizin als Wissenschaft. Die alten Ägypter führten ihre medizinische Kenntnisse auf systematische Beobachtungen des menschlichen Körpers zurück und hielten sie auf zahlreichen Papyri fest. Ihr gutes anatomisches Wissen gewannen sie mittels Mumifizierung. Dennoch blieb die Medizin über Jahrhunderte hinweg untrennbar mit Magie und Religion verbunden. Altägyptische Ärzte standen in priesterlichen Diensten bei der Löwengöttin Sachmet, der „Mächtigen“. Als schreckliche Kehrseite der liebenswerten Katzengöttin Bastet konnte Sachmet Unheil, Krankheiten, Seuchen und Kriege aussenden.

Der Fluch des Pharao

Dieser Fluch wird mit Todesfällen in Verbindung gebracht, die sich in den Jahren nach der Öffnung des Grabes des Tutanchamun durch den britischen Ägyptologen Howard Carter im Jahre 1922 ereigneten. Eine weitere Bezeichnung ist deshalb auch der „Fluch des Tutanchamun“. Anderen Gräbern in und außerhalb Ägyptens werden ebenfalls Flüche zugeschrieben. Ihren Ursprung hat die Legende in den 1820er Jahren, damals fanden nahe dem Londoner Piccadilly Circus eine bizarre Theateraufführung statt, in der Mumien ausgewickelt wurden, sogenannte Mumien-Partys. Eine naturwissenschaftliche Erklärung lag in der Vermutung, die Ursache wären Schimmelpilze. Nicht die unauffälligen Saprobionten (Zersetzung organischer Substanz), sondern Toxine von Aspergillusarten (Giesskannenschimmel). Diese bilden sowohl Endotoxine als auch Exotoxine. Solche Vergiftungen werden Aspergillustoxikosen genannt. Fast alle Aspergillusarten produzieren Allergene. Das Einatmen von Sporen kann allergische Reaktionen auslösen.  Aspergillus flavus wurde durch die von ihm erzeugten Aflatoxine B1 und B2  als Ursache des „Fluchs des Pharao“ vermutet.

Das Manchester Mummy Projekt

Asru
rekonstruierter Kopf der Mumie der Asru

Sie wird „Miss Marple unter den Ägyptologen“ genannt, sie gehört zu den Gründern der forensischen Ägyptologie und ist eine Koryphäe, wenn es um die Krankheiten und die Heilkunst im Alten Ägypten geht: Proffesor Rosalie David. Sie gründete 1973 das „Manchester Mummy Projekt“ und leitet heute das „Institut für biomedizinische Ägyptologie“. Ihr „Lieblingsobjekt“ ist die Mumie der Asru, einer Tempelsängerin. Sie wurde dem Manchester Museum 1825 aus Privatbesitz als Schenkung überlassen, einschliesslich der korrekt verpackten Eingeweide, als erste Mumie in dessen Sammlungen. Leider hatten die Privatsammler die Mumie aus Neugier ausgewickelt und ihr wahrscheinlich auch den Schmuck abgenommen. 1973 hat Professor David von Asru Röntgen-Aufnahmen und Ende der 90er-Jahre dann CT-Scans anfertigen lassen. In einem neuen Anlauf will sie die moderne DNA-Analyse nutzen, um nach den Spuren von Heilpflanzen im Körper der Mumie zu suchen. In ihrem Institut entnimmt sie deshalb gemeinsam mit dem Pathologen John Denton eine Probe aus dem Darm, mit einem Endoskop.  Im Herbarium der Manchester University – eine der größten britischen Sammlungen von Pflanzen aus aller Welt – studiert David getrocknete Pflanzen aus Ägypten und kam zu dem Ergebnis: „Wir haben entdeckt, dass 70 Prozent der beschriebenen Wirkstoffe in alten ägyptischen Heilmitteln noch bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts in der modernen Medizin verwendet wurden!“ Die vollständige molekularbiologische Analyse von Asrus Gewebe wird noch Jahre dauern. Die entnommene Gewebeprobe kommt einstweilen in eine weltweit einmalige Sammlung: Die International Ancient Egyptian Mummy Tissue Bank. „Bei Mumien wird nur sehr selten Krebs gefunden“, erklären die Professoren Rosalie David und Michael Zimmerman von der University of Manchester.

Ausstellung im British Museum in London ( 22.05. – 30. 11 2014)

British Museum zeigt Mumien im Scanner

weiterführende Links

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Oktober 18 2012

Katzen in Ägypten

Dienstag, den 26. Januar 2010

Ein ägyptischer Pharao konnte gleichzeitig Mensch und Gott sein, Tiere konnten mit Göttern in Verbindung stehen, die Tiere selbst wurden wahrscheinlich nicht verehrt, jedoch mit Ehrfurcht behandelt. Viele Berichte über den Umgang der Ägypter mit Katzen sind möglicherweise übertrieben. Sie bezogen zahlreiche Tiere in ihre religiösen Bräuche ein, Katzen machten nur einen Bruchteil im rituellen Geschehen aus.

Durch die Austrocknung der nordafrikanischen Wüsten wurden die Jäger- und Sammlerkulturen in Ägypten als Ackerbau treibende Bauern sesshaft. Ihre wüsten-nomadische Totem-Religion traf auf die einheimische Bauernreligion und vermischte sich mit dieser. Daraus entstand die heute bekannte Ägyptische Mythologie mit ihrer Göttervielfalt. Ein Totem wird als Wesen empfunden, von dem eine Person abstammt, der Urahn eines Menschen oder seiner Gruppe. Er ist daher auch eine Art Schutzgeist, der für die Gesellschaft eine bestimmte Bedeutung hat.

Pyramideninschriften aus den Jahren um 2300 v. Chr. sprechen dafür, dass schon im Alten Reich, ab der 5./6. Dynastie Katzen eine wichtige Rolle spielten. Anfangs nannte man die Katzen „Miu“ und die Kater „Miut“, daraus wurde später „Mau“. Heute gibt es eine Katzenrasse „Ägyptische Mau“, die den historischen Darstellungen ähnelt.

Die Katze wird in der ägyptischen Mythologie als Totemtier der Bastet, in Form einer Frau mit Katzenkopf und erotischem Charakter dargestellt, da sie die Göttin der Fruchtbarkeit und Freude, des Lebens, der Familie und des Mondes war. In der Frühzeit wurde sie in Pyramidentexten als Löwin dargestellt, später erfolgte ihre Darstellung als sitzende Katze. Bastet ist Tochter und zugleich Gemahlin des Sonnengottes Ra (auch Re genannt). Bastet wurde im Alten Reich mit der Göttin Hathor und zu dieser Zeit in Memphis auch mit der Göttin Sachmet gleichgesetzt und breitete sich später über ganz Ägypten aus.

Starb eine Katze, rasierten sich alle Angehörigen des betreffendes Haushaltes die Augenbrauen ab und trugen Trauer. Unter Klageliedern wurde der einbalsamierte Leichnam zum Katzenfriedhof gebracht, selbst wenn die oft lange Reise dorthin die Familien finanziell ruinierten. In Bubastis fanden alljährlich prunkvolle Begräbnisfeiern statt. Wer eine Katze tötete, sei es auch nur versehentlich unter unglücklichen Umständen geschehen, wurde ohne Urteil mit dem sofortigen Tod bestraft. Der Katzenkult im Ägyptischen Reich hatte vor allem während der 22. und 23. Dynastie (945 – 715 v. Chr.) seinen Höhepunkt. Damit die Seelen der toten Katzen in ihre Körper zurückkehren können, balsamierte man die Leichname ebenso sorgfältig ein wie die der Könige und setzte sie im Tempelbereich bei. Zeugnis der Bestattungskultes legen die riesigen Katzenfriedhöfe in Bubastis und Beni Hassan ab. Den Katzen gab man Spielzeug mit ins Grab. Bubastis diente zudem als Wallfahrtsort für Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch.  Auch war es bei Strafe verboten, Katzen außer Landes zu bringen.

Zahlreichen Funde junger Katzen mit gebrochenem Genick führten zu der These, dass Priester Katzen züchteten, töteten und schliesslich mumifizierten, um sie dann als Opfergaben an die Bevölkerung zu verkaufen. Anschließend wurden die Katzen auf einem der vielen Tierfriedhöfe beerdigt. Es wurde auch von Maßnahmen zur Dezimierung durch Erschlagen, Erdrosseln und Ertränken berichtet. Die Katze war nicht nur „Hülle“ der Göttin Bastet, sie verkörperte alle weiblichen Sonnengottheiten und damit stellvertretend die „verschiedenen Grade der Sonnenintensität, von der milden Wärme bis zur brennenden Verwüstung“. Sachmet, (auch Sechmet) ist eine Göttin der ägyptischen Mythologie in Löwengestalt und als Pendant zu Bastet symbolisierte sie das Zerstörerische und Böse des Charakters einer Katze, aber unter ihrem friedlichen Aspekt wurde sie auch wieder zu eben dieser Katzen- und Liebesgöttin.

Tempeltiere waren die Tiere, die bis zu ihrem Tode ausschließlich im Tempel untergebracht waren und dort eine Gottheit verkörperten. In jedem Tempel lebte nur ein Individuum derselben Art. Intensives Trauern und ein Verhängen der Todesstrafe waren nur im Falle eines Tempeltieres und lediglich in Bubastis, dem Bezirk der Stadtgöttin Bastet, innerhalb der Mitglieder der Katzengemeinschaft üblich.
Artgenossen galten nicht als Götter, wohl aber als Lieblinge des im Tempeltier symbolisierten Gottes und waren damit heilig und unverletzlich. Sie besiedelten das Tempelareal und wurden als potentielle Tempeltiere angesehen. Nach ihrem Tod wurden sie ebenso einbalsamiert, wenn auch nach einer weitaus billigeren Methode, um dann meist in relativ kunstlosen Massengrüften abgelegt zu werden. Das Töten der Heiligen Tiere gehörte zum notwendigen Ritualgeschehen.
Fetischtiere waren Exemplare, die in Privathäusern gehalten wurden, was vor allem in den unteren Bevölkerungsschichten der Fall war. Man schützte sie wie die heiligen Tiere, jedoch wurden sie bei Ableben ihres Besitzers getötet und einbalsamiert seinem Grab beigegeben.
Katzenmumie
Katzenmumie

In Ägypten wurden bislang über 130 Tierfriedhöfe geborgen. Auf fast allen fand man Katzen bestattet. Das rührt sicherlich daher, dass Bastet Göttin des königlichen Neujahrsfestes wurde. Sie, die den Horusbei seiner Geburt als Schutzgöttin und bei seiner Inthronisation als Standartengöttin begleitet hat, fand aufgrund des überregionalen Kultes der Verjüngung des Königs Verbreitung im ganzen Land. In Memphis umfasste der Tempelbezirk der Bastet den Bestattungsplatz der Katzen, das Gotteshaus, Wohnquartiere und andere Verwaltungsgebäude.

Abschließend bleibt festzustellen, dass das Verhältnis der Alten Ägypter zur Katze bei weitem nicht von der Liebe durchdrungen war, wie immer behauptet. Bereits hier wurde die Katze einerseits mit Dämonen und Unheil in Verbindung gebracht und andererseits als Beschützerin dargestellt. Katzentötungen zu rituellen Zwecken nahmen in Ägypten ihren Anfang. Sicherlich wurde die Katze außerdem häufig als Haustier ohne religiöse Hintergründe gehalten. Ihre Nützlichkeit und ihr einnehmendes Wesen haben auch schon in dieser lang zurückliegenden Epoche die Menschen dazu verleitet, sie an sich zu binden. So ist die Katze das einzige Tier, dass die Alten Ägypter in den Zeiten ihrer Dynastien dauerhaft domestiziert haben.

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