November 13 2014

Domestikation Teil 3

Fortsetzung von …

TEIL 3:

Spuren der Domestikation im Erbgut der Hauskatze

Die Katze schloss sich freiwillig dem Menschen an , sie gilt als semidomestiziert. Die Geschichte ihrer Domestikation erklärt ihr unabhängiges Wesen. Sie begann nicht, wie lange vermutet wurde, im Alten Ägypten. Genetische Analysen sowie neue archäologische Befunde offenbaren nun aber einen völlig anderen Ursprung. Ein Team der Universität Oxford um den Genetiker Carlos Driscoll, das die Gene von fast 1000 Hauskatzen von fünf Kontinenten untersuchte, wies nach, dass alle fünf aufgefundenen genetischen Hauptlinien allein von der Widkatzenart Felis silvestris lybica abstammen und dass die Domestikation im Gebiet des Fruchtbaren Halbmonds erfolgte [ siehe Spektrum der Wissenschaft: „Die wahre Herkunft der Hauskatze“].

Dass die Hauskatze (Felis silvestris catus)von der Wildkatze Felis silvestris abstammt, wurde zwar schon vermutet, der Beweis war aber schwierig, da der Stand der Wissenschaft dies (noch) nicht zuliess.  Sie stammt von der nordafrikanischen Wild- oder Falbkatze (Felis sylvestris lybica) ab. Allerdings sind die heutigen Hauskatzen aus genetischer Sicht verändert im Vergleich zu Katzen, die zu Beginn der Domestizierung gelebt haben. Damit beschäftigte sich eine Forschergruppe um um Wesley Warren von der Universität Washington in St. Louis. Hauskatzen (Felis silvestris catus) gelten nur als halbdomestiziert, da sie nicht isoliert von Wildkatzen leben. Ausserdem entziehen sich Hauskatzen, sowohl beim Jagen als auch bei der Aufzucht der Nachkommen, der Kontrolle durch den Menschen. Deshalb gingen die Forscher davon aus, dass die Domestizierung im Zuge der Adaptation  (evolutionäre Anpassung) nur leichte Spuren im Katzen-Erbgut hinterlassen hat.

Zähmung durch Selektion

Das Zusammenleben von Mensch und Katze war von beiderseitigem Nutzen. Die Vierbeiner hielten Nagetiere vom Getreide fern und wurden anscheinend von den Menschen gut versorgt. Warren und seine Kollegen  entschlüsselten zunächst das Erbgut einer weiblichen Abessinierkatze, einer der ältesten gezüchteten Katzenrassen der Welt. Die genetischen Informationen dieser Rasse verglichen sie mit denen von sechs anderen Hauskatzen-Rassen, zwei Wildkatzen-Arten und vier anderen Säugetieren: Mensch, Hund, Tiger und Kuh. Die Forscher fanden im Erbgut der Hauskatzen fünf Regionen, die offenbar mit ihrer Domestizierung zusammenhängen. Sie betreffen die Gedächtnisbildung, das Lernen durch Belohnung und die Konditionierung durch Angst. Außerdem stießen die Wissenschaftler auf Besonderheiten des Fettstoffwechsels, die wahrscheinlich mit der carnivoren Ernährung von Katzen zusammenhängen, sowie Gen-Variationen, die die außergewöhnlichen Seh- und Hörfähigkeiten der Vierbeiner erklären. Katzen, die durch Belohnung mit Futter zahmer wurden (Konditionierung), seien im Laufe der Jahrtausende gezielt selektiert worden,  das könnte zur Veränderung des Katzen-Genoms geführt haben. Demnach betrifft das Zähmen von Wildtieren vor allem Gene, die die Gehirnentwicklung regulieren. So wurden, unter anderem, Mutationen in Genen gefunden, die das Wandern von Nervenzellen in der Hirnentwicklung steuern, was dann Aggressivität, Gedächtnisbildung und Lernenverhalten ändert. Es wird vermutet, dass Änderungen in solchen Genen die Grundlage der Evolution bildet, was Zahmheit betrifft ist.

Funde aus China

Ein Team um Yaowu Hu von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Peking untersuchte acht Knochen, die von zwei oder mehr Katzen stammten. Diese Knochen wurden vor rund 5300 Jahren vergraben, wobei sich aus den verschiedenen Datierungen ergibt, dass die Menschen dort mindestens 200 Jahre eng mit Katzen zusammenlebten. Die Überreste stammen damit aus dem Zeitraum, in dem Wildkatzen vermutlich domestiziert wurden. Bauern haben damals die Katzen möglicherweise mit Getreide gefüttert und so deren Domestizierung, durch Selektion der mittels Konditionierung zahmer gewordenen Katzen, vorantrieben. Anschließend analysierten die Wissenschaftler Kohlenstoff- und Stickstoffisotope in den Katzenknochen sowie in weiteren Knochen von Tieren und einem Menschen. Sie konnten dadurch auf die jeweilige Ernährung schließen. Menschen, Nagetiere und Katzen hatten demnach viel pflanzliche Nahrung, vor allem Hirse, verzehrt.

Domestizierungs-Syndrom-Hypothese

Die jüngsten Analysen bestätigen die Domestizierungs-Syndrom-Hypothese. In der aktuellen Studie (siehe unten GENETICS) zeigen Adam Wilkins und seine Mitarbeiter vom Stellenbosch Institute of Advanced Study in Südafrika nun, dass diese Domestizierungsanzeichen mit der Entwicklung der Neuralleiste zusammenhängen, jenem Teil eines Embryos, aus dem später das Nervensystem hervorgeht.

 weiterführende Links

 

 

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Oktober 17 2012

Domestikation Teil 2

TEIL 2

Verbreitung der Hauskatze

Fortsetzung von Teil 1: Ursprung der Hauskatze

Das Gebiet des Fruchtbaren Halbmonds, gilt als Ursprung des Übergangs von der nomadischen Lebensweise zu einer neuen Epoche, geprägt durch feste Siedlungsplätze, Ackerbau und Viehzucht mit Vorratshaltung (Landwirtschaft) sowie als das Gebiet mit einigen der ältesten Stadtkulturen der Welt. Im sogenannten Zweistromland, zwischen den Flüssen Euphrat und Tigris, lagen die Stadtstaaten und Reiche der Sumerer, Babylonier, Aramäer und Assyrer. Mesopotamien handelte mit den angrenzenden Ländern. Die Fernhandelsbeziehungen reichten bis zum Indusdelta, Kreta, Ägypten und vermutlich weit darüber hinaus. Die Waren wurden per Schiff oder mit Karawanen transportiert.

 

Ohne Haustiere wäre Zivilisation undenkbar

Vor allem drei Tiere haben die Evolution der Menschheit geprägt: der Hund, die Katze, das Rind. […] Wie der Urmensch stammt die Katze aus Afrika, vor Tausenden Jahren jagte und spielte sie auf den Feldern des fruchtbaren Halbmonds – ein Gebiet von Ägypten bis zum Tigrisdelta. Vor etwa 9000 Jahren kamen Katzen in der Gegend des heutigen Irak dahinter, dass es sich im Gefolge von Menschen gemütlich leben lässt. Die ersten Katzen, so wissen Forscher heute, machten sich in der Nähe von menschlichen Siedlungen nützlich: Sie beseitigten den Abfall, jagten Schädlinge und Vögel – und galten obendrein auch noch als Delikatesse.


Die Hauskatze ist ein Kulturfolger, sie folgt dem Menschen auf den, von ihm erschaffenen, Verkehrswegen. Sie lebt in seinen Behausungen und profitiert von Ackerbau und Vorratshaltung, da sie hier Nahrung findet.

 

Katzen zu Land

Bekannte Handelswege im Alten Orient sind die Seidenstrasse (transkontinental von Ostasien bis zum Mittelmeer) und die Weihrauchstrasse (vom Süden Arabiens bis zum Mittelmeer). Seit der Mitte des 4. Jahrtausends v. Chr. erleichterte „die Erfindung des Rades“ den Transport der Handelsgüter. Die Routen bestanden zuerst aus unbefestigten  Naturwegen, deren Verlauf sich nach Geologie und Topographie richtete. Auf diesen Routen gab es sogenannte Karawansereien, das sind Herbergen, wo die Reisenden übernachten und sich mit  Reiseproviant versorgen konnten. Große Karawansereien dienten zugleich als Warenlager und Handelsplatz, an solchen Plätzen gab es Nahrung für Katzen.

In Indien war die Hauskatze häufig ein wichtiger Bestandteil religiöser Zeremonien. Von dort gelangte sie erst nach China und später nach Japan, wo sie ähnliche Aufgaben übernahm. In China um 1500 v. Chr. beschützten die Katzen die Kokons der Seidenraupen und in den Tempeln die alten Handschriften vor den Ratten und Mäusen.

 

Katzen zur See

Wissenschaftler haben auf Kreta 130 000 Jahre alte Steinwerkzeuge gefunden, wahrscheinlich kamen die Menschen damals schon als Seefahrer auf die Insel.

Spektrum der Wissenschaft April 2010 „Die wahre Herkunft der Hauskatze“

Im Jahr 2004 gaben Jean-Denis Vigne und seine Kollegen vom Muséum national d’Histoire  naturelle in Paris den Fund eines Grabs bekannt, wo vor 9500 Jahren eine junge Katze mitbestattet worden war. […] Dieser Fund gilt jetzt als ältester Hinweis darauf, dass man sich schon damals Katzen hielt. Auf den meisten Mittelmeerinseln lebten ursprünglich keine Wildkatzen. Nach Zypern müssen Menschen darum Katzen im Boot mitgenommen haben, wahrscheinlich von der nahen Levante her.

 

Geschichte der Seefahrt

7000 v. Chr.: Um diese Zeit beginnen die Menschen erstmals, Wasserfahrzeuge zu bauen, mit denen die Hohe See befahren werden kann. Es sind wahrscheinlich schon Plankenboote oder größere Fellboote. Zypern, Kreta, Sardinien, Irland, und auch die Kanarischen Inseln zeigen aus dieser Zeit erste Besiedlungsspuren.

Philister

Die Philister bewohnten im 12. Jahrhundert v. Chr. die Küste des historischen Palästina, ihre  Herkunft ist bis heute unklar.Sie gehörten vermutlich zu den „Seevölkern“, einer Koalition von Völkern, die wahrscheinlich aus Westanatolien  und der Ägäis/Kreta stammen. Die Hafenstädte stellten, mit den Phöniziern, die Flotte der Assyrer, die keine eigene hatten.

Phönizier

Den größten Anteil hatten die Phönizier, ein semitisches Volk des Altertums, das hauptsächlich im Bereich des heutigen Libanon und Syrien an der Mittelmeerküste lebte. Archäologische Quellen verweisen auf die Sinai-Halbinsel als Herkunft. Sie standen bis um 1200 v. Chr. unter dem kulturellen und politischen Einfluss Ägyptens. Die Ausfuhr von Katzen war im Alten Ägypten verboten. Darstellungen aus der Zeit vor 1000 v. Chr. zeigen Katzen an Bord ägyptischer Schiffe.

Der Name Phönizier leitet sich von der griechischen Bezeichnung Phoinikes ab. Sie haben sich selbst nie als solche bezeichnet, sondern benannten sich nach den Städten, aus denen sie kamen. In altägyptischen Quellen werden die Phönizier unter der Bezeichnung Fenchu erwähnt. Die Phönizier waren ausgezeichnete Seefahrer und die Katzen dienten als Schiffskatzen, sie schützten die Fracht vor Mäusen und Ratten.

Der Seevölkersturm, der um 1200 v. Chr. die Macht der Großreiche stark einschränkte, brachte den phönizischen Stadtstaaten die Selbständigkeit. Sie blieb bis zum Erstarken der assyrischen Großmacht um die Mitte des 8. Jahrhunderts v. Chr. bestehen. Als kühne Seefahrer und tüchtige Kaufleute wurden die Phönizier bald das beherrschende See- und Handelsvolk im Mittelmeer; Fahrten über die Meerenge von Gibraltar hinaus in den Atlantik sind belegt. Infolge der beschränkten Ausdehnungsmöglichkeiten ins Hinterland bauten sie den Mittelmeerhandel aus und gründeten Handelsniederlassungen an den Küsten und auf den Inseln des Mittelmeers, insbesondere auf Sizilien, Malta, in Südspanien und Nordafrika. Hauptausfuhrgüter Phöniziens waren Purpurstoffe, Zedern- und Pinienholz, Metall- und Glaserzeugnisse.

Im 8. Jahrhundert v. Chr. verloren die Phönizier ihre Stellung zur See an die Griechen; Phönizien selbst wurde assyrische Provinz….“

 

Griechen

Minoische Fresken zeigen Katzen in Jagdszenen. Katzen wurden mit der Göttin Artemis in Verbindung gebracht, eine religiöse Rolle konnte jedoch nicht nachgewiesen werden. Die minoische Kultur (Kreta) ist die früheste Hochkultur Europas, ihre frühminoische  Phase, verläuft parallel zur 1. bis 4. Dynastie Ägyptens.

Das altgriechische Wort für Katze, ailouros, taucht zwischen 800 und 500 v. Chr. auf und es wird ein schwarz/weißes Fell erwähnt, sie hatte sich damals  schon äußerlich von ihren wilden Vorfahren entfernt.

Größere Bedeutung für die Verbreitung von Hauskatzen in Europa hatten Tiere, die auf Handelswegen aus Vorderasien vor allem auf das griechische Festland gebracht wurden. Erstmalig erscheinen die Tiere hier auf Vasenmalereien des 5. und 4. vorchristlichen Jahrhunderts. In den Fabeln des Äsop wird die Katze als bäuerliche Mäusevertilgerin dargestellt, sie hatten nicht die Vorrangstellung, wie in Ägypten. Sie wurden als geschickt, anpassungsfähig und selbstbezogen beschrieben. Sie lebten mit dem Menschen zusammen, ihre Beziehung war allerdings nicht sehr eng. Siedler nahmen ihre Katzen mit und phönizische Händler brachten wahrscheinlich auch Katzen in andere Teile Europas, so erfolgte die Verbreitung in Europa.

Römer

Seit etwa 400 v. Chr. erschienen Katzen auf römischen Bodenmosaiken, Fresken, auf Tonscherben oder in Grabsteine gemeißelt. Sie  galten wahrscheinlich als Glücksbringer und sollten Personen und Orte schützen.

In der Ptolemäerzeit (323 – 30 v. Chr.) machten die Römer erstmals mit der ägyptischen Hauskatze Bekanntschaft. Als sie sich später in Europa eingebürgert hatte, wurde sie cattus genannt.

Die Römer verbesserten die Verkehrs- und Handelswege und damit die Verbreitung über den Landweg. In Europa wurden Katzenknochen in der Nähe von Militäranlagen gefunden, sie lebten in den Lagern der Armee und profitierten von den Lebensmittelvorräten.

Die Neue Welt

Später überquerten ihre Nachkommen die Meere bis nach Australien und Amerika. Fast jedes Schiff hatte mindestens eine Katze als festes Mitglied der Mannschaft an Bord. Ihre Aufgabe war es, die Lebensmittel, bei Handelsschiffen auch die Ware, vor Nagetieren zu schützen. Ob Kriegsschiff, Handel oder Expedition, Schiffskatzen waren immer dabei.

Im Rahmen der Europäischen Expansion kamen Katzen ab dem 15. Jhd. Nach Amerika. Der hohe Anteil der Katzen  mit Polydaktylie unter den Schiffskatzen zeigt sich besonders in Neuengland. Dieses Phänomen nennt man Gründereffekt. Die Maine Coon ist die erste und bekannteste amerikanische Katzenrasse. Sie stammt zweifellos von Schiffskatzen ab.

Wenn eine große Population aus einer kleinen Gründerpopulation hervorgeht, treten deren Merkmale offenbar vermehrt auf und setzen sich bei den Nachkommen häufiger durch. Betrachtet man das regionale Auftreten von besonderen Merkmalen, wie z.B. ein längeres Fell, Mehrzehigkeit oder bestimmte Fellfarben, näher, kann man zurückverfolgen, wie und wann sich eine bestimmte Population ausgebreitet hat. Bei der Zucht von Rassekatzen kann der Gründereffekt eine Ursache für das Vorkommen rassespezifischer Erbkrankheiten sein.

Zu welchem Zeitpunkt Katzen nach Australien kamen, weiß man nicht genau. Es gab Kontakte mit Indonesien, gestrandete Schiffe früherer Seefahrer oder der Niederländischen Ostindien-Kompanie. Europäische Siedler, die ihre Katzen mitbrachten,  ließen sich in Australien nieder.

Seit dem 19. Jhd. gibt es überall dort, wo Menschen leben, auch Katzen und während der langen Geschichte haben sich die Katzen den Gegebenheiten angepasst, in ihrem Wesen haben sie sich kaum verändert und sie gehören heute zu den beliebtesten Haustieren.

 

weiter zu Teil 3: Spuren der Domestikation im Erbgut der Hauskatze

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Oktober 17 2012

Domestikation Teil 1

Mittwoch, 2. September 2009

Ursprung und Verbreitung der Hauskatze

Teil 1

Der Ursprung

Die Wildkatze schloss sich freiwillig dem Menschen überall dort an, wo er sich niederliess, um Ackerbau und Vorratshaltung zu betreiben. Mensch und Tier lebten friedlich in Zweckgemeinschaft, was man anhand von archäologischen Funden belegen kann. Über Handelswege, vor allem durch die phönizischen Seefahrer, wurde die Hauskatze weltweit verbreitet.

Die Geschichte der Domestikation

Die Katzen (Felidae) sind eine Familie aus der Ordnung der Raubtiere (Carnivora) innerhalb der Überfamilie der Katzenartigen (Feloidea). Obwohl der Ursprung der gemeinsamen Stammform mit ihren Untergruppen heute als gesichert gilt, sind die genauen Verwandtschaftsverhältnisse innerhalb der Familie noch umstritten. Die Hauskatze (Felis catus)  ist ein fleischfressendes, zu den Katzen gehörendes Säugetier. Sie stammt ursprünglich von der nordafrikanischen Wild- oder Falbkatze (Felis sylvestris lybica) ab.

Ursprung

Die ersten Vorfahren der Kleinkatze der Alten Welt (Europa, Afrika und Asien), zu denen auch die Wildkatze gehört, erschienen vor etwa neun Millionen Jahren. Wegen der morphologischen Ähnlichkeit und der nahen genetischen Verwandtschaft innerhalb der Kleinkatzen gab es über den Ursprung der Hauskatze verschiedene Theorien. Die Domestikationsforschung geht heute davon aus, dass die Hauskatze lediglich von einer Wildart abstammt, nämlich der Wildkatze (Felis sylvestris), deren Lebensraum sich von Schottland über Afrika bis nach Asien erstreckt. Sie stammt ursprünglich von der nordafrikanischen Wild- oder Falbkatze (Felis sylvestris lybica) ab.

Domestikation

Die Domestizierung von Wildtieren erfolgt durch menschliche Auslese und Isolation zur Züchtung einer Art, die gewünschte Anforderungen erfüllt. Der Sinn besteht in der künftigen Verwendung als Nutz- oder Heimtier. Die natürliche evolutionäre Entwicklung wird durch künstliche Auswahl des Menschen nach Zuchtkriterien ersetzt. Der Haushund (Canis lupus familiaris), ein Haus-, Heim- und Nutztier dessen wilde Stammform der Wolf ist, gilt als das älteste domestizierte Tier.

Urmutter aller Katzen lebte im Nahen Osten
US-Forscher haben den Stammbaum der Hauskatze entschlüsselt: Die wilde Urkatze wurde vor mehr als 100.000 Jahre im Nahen Osten domestiziert und verbreitete sich von dort aus über die ganze Welt. Ihre Gene und ihr Killer-Instinkt haben sich seitdem kaum verändert.

Ein Team der Universität Oxford um den Genetiker Carlos Driscoll, das die Gene von fast 1000 Hauskatzen von fünf Kontinenten untersuchte, wies nach, dass alle fünf aufgefundenen genetischen Hauptlinien allein von der Felis silvestris lybica abstammen und dass die Domestikation im Gebiet des Fruchtbaren Halbmonds erfolgte. Dort liegen heute die Länder Ägypten, Israel/Palästina, Jordanien, Libanon, Syrien, die östliche Türkei, der Irak, Kuwait und der westliche Iran, auch „Vorderer Orient“, Vorderasien oder Naher Osten genannt. Dieses Gebiet gilt als Ursprung des Übergangs von der nomadischen Lebensweise zu einer neuen Epoche, geprägt durch feste Siedlungsplätze, Ackerbau und Viehzucht mit Vorratshaltung (Landwirtschaft) sowie als das Gebiet mit einigen der ältesten Stadtkulturen der Welt in der Jungsteinzeit (Neolithikum). Der Archäologe Vere Gordon Childe prägte den Begriff Neolithische Revolution.

Die wahre Herkunft der Hauskatze (Spektrum der Wissenschaft  April 2010)

 

Von Menschen und Mäusen

Mit beginnender Sesshaftigkeit der Menschen in Mesopotamien und Ägypten schloss sich ihnen die in den angrenzenden Wüstengebieten ehemals wildlebende Falbkatze an. Anfangs lebte sie als am Rande menschlicher Siedlungen und ernährte sich von Abfall. Die Menschen betrieben Ackerbau und legten Vorräte an. Dort fanden Mäuse, die sich zum Leidwesen der Menschen von deren Ernte nährten, reichlich Nahrung, vermehrten sich und damit wuchs auch das Speisenangebot der Katzen. Daraus ergaben sich Vorteile für Mensch und Katze und man vermutet, dass es allmählich zur Selbstdomestikation der Tiere kam, dass heisst, die Nachkommen dieser inzwischen „halbwilden“(gezähmten) Katzen passten sich immer mehr an den Menschen an. Aus dieser ursprünglichen Zweckgemeinschaft wurde eine intensive Beziehung zwischen Mensch und Katze. Während sie anfangs nur geduldet wurde, entwickelte sie sich zur geschätzten Mitbewohnerin, die später sogar Kultstatus erreichte. Zeugnisse des Zusammenlebens, die bei Ausgrabungen gefunden wurden, waren Skelettfunde, Zeichnungen und Skulpturen.

Auf dem Seeweg in die ganze Welt

Die Hauskatze kam auf dem Seeweg von Nordafrika und Vorderasien nach Europa und später auch nach Amerika und Australien. Wahrscheinlich waren es Phönizische Seeleute, die Hauskatzen aus Ägypten nach Italien, Gallien und Britannien schmuggelten (die Ausfuhr von Katzen aus Ägypten stand damals unter Strafe). Auf Handelswegen gelangten Hauskatzen aus Vorderasien nach Griechenland, wo erste Darstellungen von Mensch und Katze aus dem 5. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung stammen. Für die Weiterverbreitung aus Griechenland sorgten auch die Phönizier. In Europa verdrängten sie als Mäusejäger erst einige Zeit nach Beginn unserer Zeitrechnung das vorher von den Römern und Griechen domestizierte Frettchen, welches vom Iltis abstammt.

weiter …

 

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