September 2 2014

Tierquälerei für Luxusindustrie

Focus November 2013 :

…Die Moderiesen H&M und C&A verzichten auf die Produktion von Angora-Kleidung. Klassische Modehändler finden das problematisch: Sie könnten kaum verfolgen, in welchem Pullover Angorawolle sei. […] Ein Video der Tierschutzorganisation Peta hatte Entsetzen ausgelöst. Es zeigt, wie lebenden Angora-Kaninchen in China das Fell vom Leib gezogen wird.

Anfang des Jahres erschien folgender Artikel im SpiegelNach Protesten: Händler nehmen Katzenfell-Mützen aus Sortiment

Die Drogeriekette Müller und der Modehersteller Tom Tailor reagieren auf die Kritik von Tierschützern: Beide Firmen stoppen den Verkauf von Strickmützen, in denen Katzenfell verarbeitet worden sein soll. Laboruntersuchungen stehen aber noch aus.

Die Unternehmen hätten  gegen das EU-weite Importverbot für Haustierfelle verstossen. Kurze Zeit später lagen die Laborergebnisse dann vor, es war „nur“ Kaninchenfell. Bei Kaninchen handele es sich um eine Tierart, die nicht unter das EU-Handelsverbot falle.

Deutscher Tierschutzbund: Importverbot für Hunde- und Katzenfelle

Im Dezember 2008 ist das Importverbot für Hunde- und Katzenfelle in die EU in Kraft getreten. […] Vor allem aus Asien wurden bislang Felle von Hunden und Katzen nach Europa importiert. Sie stammten aus Thailand und China (Hunde und Katzen), Korea (Hunde) oder von den Philippinen, zum Beispiel der Insel Mindanao (Katzen). Katzen wurden bei vollem Bewusstsein stranguliert, um das Fell nicht zu beschädigen. Hunde wurden erschlagen oder mit Metalldraht festgehalten, in die Leiste zwischen den Hinterbeinen gestochen, so dass sie qualvoll verbluteten.

Heute las ich den folgenden Artikel in der Zeit: „Die hässliche Seite der Luxusindustrie

… Im Fall der Kaninchen aber liegen ZEIT ONLINE Video- und Fotoaufnahmen aus einer zweijährigen Undercover-Recherche von Animal Equality aus 70 Kaninchenbetrieben in Spanien vor. […] Zwar ist in Deutschland das Tragen von Pelzen in vielen Kreisen verpönt. Einzelne Händler wie Otto, Kaufland, C&A und S.Oliver verpflichten sich sogar, überhaupt keine Textilien mit echtem Pelz zu verkaufen. Doch weltweit boomt das Geschäft. Der Umsatz mit Pelzen ist nach Branchenangaben zwischen 2000 und 2010 um 70 Prozent in die Höhe geschnellt – auf mehr als 14 Milliarden Dollar. Vor allem die Luxuslabels wollen auf Pelz nicht verzichten. […] Die Aufnahmen der Tierschützer aus den Dutzenden Ställen zeigen Szenen, deren Grausamkeit schwer zu ertragen ist. Kaninchen werden an den Hinterbeinen gefasst und gegen Metallgitter oder Mauervorsprünge geschlagen, um sie schneller und billiger zu töten. Andere Tiere werden durch Schläge mit der flachen Hand auf den Hinterkopf totgeprügelt, was meist erst nach mehreren Hieben funktioniert….

„Was wir essen, kann ein bisschen mehr gequält werden“, so ist der Titel von Seite 2 des Artikels.

Einheitliche Regeln zum Schutz der Pelztiere in Europa gibt es nicht. Der Europarat hat lediglich Empfehlungen abgegeben – jedes Land kann sie umsetzen, muss das aber nicht tun. Ganz generell seien die Regeln für Tiere, deren Fleisch gegessen werden soll, weniger streng als für Pelztiere, erklärt Susanne Kolb-Wachtel, die Geschäftsführerin des Deutschen Pelzinstitutes. Es vertritt die Interessen der Branche. „Was wir essen, kann ein bisschen mehr gequält werden, als das, was wir tragen.“

Update 28.10.2014

#SaveKimi
#SaveKimi

Kimi – ein Schicksal für die Mode

„Wenn ich gross bin, werde ich ein Pelzkragen“

Laut Angaben von Burberry wird nur Pelz verwendet, der aus guter Tierhaltung stammt. Die Kampagne #SaveKimi von der Organisation Vier Pfoten zeigt, wie «gute Tierhaltung» für Burberry aussieht. Kimi ist einer von hundertausenden Füchsen, die jedes Jahr in Finnland für die Pelzmode grausam gehalten und auf brutale Art und Weise getötet werden. Noch ist er am Leben und haust in einer finnischen Pelzfarm. Doch die Schlachtsaison, die sogenannte „Pelzernte“ rückt näher. Unter Facebook und Instagram zeigt Kimi Bilder und Videos aus seinem Alltag auf der Pelztierfarm. Er erzählt von seinen Erlebnissen und denen seiner Käfignachbarn, räumt mit falschen Informationen über „faire Pelztierhaltung“ auf und konfrontiert die Menschen mit der Frage „Warum?“.

weiterführende Links

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September 13 2013

Tierschutz als Wahlprüfstein

Stimme für die Tiere
Kampagnenplakat vom Deutschen Tierschutzbund

Stimme für die Tiere So heisst die Kampagne des Deutschen Tierschutzbundes zur Bundestasgswahl 2013. Wie auch schon 2009 hat der Tierschutzbund kritisch nachgefragt, um den Wählern eine Orientierung zu bieten.

Die Ergebnisse im Überblick kann man auf der Tierschutz-Stimmkarte nachlesen.

 

 

Katzenschutz

Auszug aus dem Forderungskatalog des Deutschen Tierschutzbundes.

Den Heimtierschutz hat der Gesetzgeber bislang kaum konkretisiert. Dies muss grundlegend nachgeholt werden. Zu regeln sind insbesondere die Bereiche Kennzeichnung und Registrierung sowie Haltung, Ausbildung, Zucht und Handel. […] Um dem Aussetzen vorzubeugen und entlaufene Tiere besser wiederfinden zu können, müssen insbesondere Hunde und Katzen verpflichtend per Mikrochip gekennzeichnet und registriert werden. Bei Heimkatzen mit Freigang ist zudem eine Kastrationspflicht erforderlich. Nur so kann der Vermehrung frei lebender Katzen und den damit verbundenen Tierschutzproblemen wirksam begegnet werden. Schließlich müssen auch und gerade im Heimtierbereich die gesetzlichen Zugriffmöglichkeiten für die Behörden verbessert werden, um zum Beispiel in Fällen des Animal Hoarding schnell und gezielt eingreifen zu können.

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Oktober 17 2012

Qualzucht bei Katzen

Freitag, den 22. Januar 2010

 

Als Qualzucht bezeichnet man bei der Züchtung von Tieren die Duldung oder Förderung von Merkmalen, die mit Schmerzen, Leiden, Schäden oder Verhaltensstörungen für die Tiere verbunden sind.

Schönheit liegt ja bekanntlich im Auge des Betrachters. Es reichte offenbar einigen „Katzenliebhabern“ nicht, die Zuchtkriterien auf Fellfarben, Haarlängen oder Grösse und Statur zu beschränken, nein, sogenannte Extremzuchten waren das Resultat. Die ethisch vertretbare Grenze wird überschritten, wo angebliche Schönheitsmerkmale mit Schmerzen und Leiden für die Tiere verbunden sind. Von fragwürdigen Schönheitsidealen geleitet, hat der Mensch durch gezielte Zuchtauswahl Kreaturen geschaffen, die durch extreme Merkmalserscheinungen ihr Leben lang leiden müssen – und darüber hinaus unter natürlichen Bedingungen kaum lebensfähig wären.

In Deutschland ist die Qualzucht eigentlich nach § 11b Tierschgutzgesetz (TierSchG) verboten, doch scheint hier eine gewisse Grauzone zu herrschen. Diverse „Züchter“ stellen entsprechende Angebote ins Netz und verharmlosen ihr Tun. Die für den Vollzug des Tierschutzgesetzes zuständigen Behörden und Gerichte tun sich schwer, das Verbot in die Praxis umzusetzen.

§ 11b TierSchG

 

(1) Es ist verboten, Wirbeltiere zu züchten oder durch bio- oder gentechnische Maßnahmen zu verändern, wenn damit gerechnet werden muss, dass bei der Nachzucht, den bio- oder gentechnisch veränderten Tieren selbst oder deren Nachkommen erblich bedingt Körperteile oder Organe für den artgemäßen Gebrauch fehlen oder untauglich oder umgestaltet sind und hierdurch Schmerzen, Leiden oder Schäden auftreten.(2) Es ist verboten, Wirbeltiere zu züchten oder durch bio- oder gentechnische Maßnahmen zu verändern, wenn damit gerechnet werden muss, dass bei den Nachkommen

a) mit Leiden verbundene erblich bedingte Verhaltensstörungen auftreten oder

b) jeder artgemäße Kontakt mit Artgenossen bei ihnen selbst oder einem Artgenossen zu Schmerzen oder vermeidbaren Leiden oder Schäden führt oder

c) deren Haltung nur unter Bedingungen möglich ist, die bei ihnen zu Schmerzen oder vermeidbaren Leiden oder Schäden führen.

(3) Die zuständige Behörde kann das Unfruchtbarmachen von Wirbeltieren anordnen, wenn damit gerechnet werden muss, dass deren Nachkommen Störungen oder Veränderungen im Sinne des Absatzes 1 oder 2 zeigen.

(4) Die Absätze 1, 2 und 3 gelten nicht für durch Züchtung oder bio- oder gentechnische Maßnahmen veränderte Wirbeltiere, die für wissenschaftliche Zwecke notwendig sind.

(5) Das Bundesministerium wird ermächtigt, durch Rechtsverordnung mit Zustimmung des Bundesrates

1. die erblich bedingten Veränderungen und Verhaltensstörungen nach den Absätzen 1 und 2 näher zu bestimmen,

2. das Züchten mit Wirbeltieren bestimmter Arten, Rassen und Linien zu verbieten oder zu beschränken, wenn dieses Züchten zu Verstößen gegen die Absätze 1 und 2 führen kann.

Um eindeutiger festzulegen, ab wann die Grenze zur Qualzucht erreicht oder sogar schon überschritten ist und Unsicherheiten auszuräumen, wurde im Auftrag des Bundeslandwirtschaftsministeriums ein Sachverständigengutachten erstellt, das sowohl den Züchtern als auch den zuständigen Behörden als Leitlinie dienen soll. Das Gutachten spricht für bestimmte Rassen eindeutige Zuchtverbote aus!

Es werden aber auch Maßnahmen wie Zuchtverbote, Tieruntersuchungen vor der Zulassung zur Zucht, Kennzeichnung von Zuchttieren oder das Führen von Zuchtbüchern vorgeschlagen.

Dies alles hat allerdings wenig gebracht. Das Thema bleibt schwierig. Weder „Liebhaber“ noch „Züchter“ solcher Qualzuchten haben Unrechtsbewusstsein.

Tierschutzlinks zum Thema Qualzucht bei Haustieren

Man muss kein militanter Tierschützer sein, um einzusehen, dass Katzen aus Extremzuchten keine hohe Lebensqualität haben. Dass einige „Züchter“ z.B. Nacktkatzen (Sphynx, Peterbald) als „für Allergiker geeignet“ anpreisen, ist geradezu zynisch. Oder „Liebhaber“, die Anomalien des Kopfes mit entsprechenden Beschwerden der Tiere billigend in Kauf nehmen, nur um dem Kindchenschema gerecht zu werden, das ist ethisch nicht vertretbar. Seriöse Züchter hätten hier sicher ein Einsehen. Die Ursache für die Uneinsichtigkeit der Züchter liegt meines Erachtens bei der Weisszucht.

 Farbaufhellungen des Felles und der Iris, Taubheit

(Seite 39-42, 2 Spezieller Teil – Katzen des Gutachtens zur Auslegung von § 11 b TierSchG)

Empfehlungen:
Zuchtverbot (siehe Seite 15, Nr. I) für weiße Katzen, deren Fellfarbe durch das dominante Gen W determiniert wird. Sofern nicht ausgeschlossen werden kann, dass die Fellfarbe durch das Gen W determiniert ist, muss vor der Zuchtzulassung einer weißen Katze eine Genanalyse durchgeführt werden, sobald ein entsprechender Test verfügbar ist.
Bei der Nachzucht von Katzen mit dem Farbgen W können Taubheit und Defekte am Tapetum lucidum auftreten. Schwerhörige bzw. taube Katzen sind in ihrem Sozialverhalten und beim Beute-fangverhalten stark behindert. Eine durch Defekte am Tapetum lucidum verursachte Einschrän-kung des Sehvermögens besonders in Dämmerung und Nacht verstärkt diese Behinderung. Es liegt damit ein Körperschaden vor, der zu dauerhaften Leiden führt.
Weitere Versuche, durch spezielle Zuchtprogramme die Defekte aus der Zucht mit dem W-Gen zu eliminieren, sind nicht zu rechtfertigen, da bei jeder Kombination immer wieder mit geschädigten Tieren zu rechnen ist.
Für alle anderen, vorwiegend weißen, Katzen werden folgende Empfehlungen an die Zuchtverbände ausgesprochen (siehe Seite 15, Nr. IIb):
Point-Katzen aller Rassen sollten vor der Zuchtzulassung ophthalmologisch untersucht werden; Taubheitsprobleme sind bisher nicht dokumentiert (Fellfärbung nicht W-Gen-determiniert).
Alle anderen weißen bzw. vorwiegend weißen (gescheckten) Katzen sollten vor der Zulassung zur Zucht audiometrisch und ophthalmologisch untersucht werden.
Zuchtverbot für Tiere mit Hör- oder Sehschäden.
Alle untersuchten Tiere sind dauerhaft zu kennzeichnen (Tätowierung oder Mikrochip). Es sind Zuchtbücher zu führen; diese und die Untersuchungsergebnisse sind bei Bedarf offen zu legen.

Die Farbaufhellung von Fell und/oder Augen betrifft verschiedene Katzenrassen und die entsprechenden Züchter befürchten ein Zuchtverbot oder andere Sanktionen.

Mit Art. 20 a GG, § 11 b TierSchG und dem Gutachten zur Auslegung wurde vom Gesetzgeber eigentlich eine Grundlage für ein Verbot von Qualzüchtungen geschaffen, aber der Tierschutz scheint dann doch nicht so wichtig zu sein, wenn es darum geht, „Designerkatzen“ zu vermarkten. Eine andere Möglichkeit wäre eine Tierschutz-Verbandsklage. Diese ist notwendig, um bereits geltende Tierschutzvorschriften in der Praxis wirkungsvoll durchzusetzen, da sie anerkannten Tierschutzverbänden ermöglicht, tierschutzrechtliche Vorschriften gerichtlich überprüfen zu lassen.

Alle Verbote nützen wenig, wenn die Einsicht fehlt. Nachfrage schafft Angebot und die Tierschutzvereine kennen die Zustände illegaler „Hobbyuchten von Liebhabertieren“.

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